Im Winter kann man leicht vergessen, warum Berlin die tollste Stadt der Welt ist. Als ich letztes Jahr Besuch von Freunden bekam und überfordert war mit der Auswahl, sagte Verena, ich solle einfach HELMUT fragen. “Er kennt den heißen Scheiß in Berlin, ganz egal ob Theater, Ausstellungen, Konzerte, Party oder Kinofilme.”

Verena von Stromberg ist die Gründerin von MEISTERCLASS, einem Portal für Strick- und DIY-Fans. Statt im spröden VHS-Kurs, lernt man dort über hochwertige und umfangreiche Online Videokurse stricken, nähen, basteln, etc. Passend zu jedem Projekt gibt es on top verschiedene Material-Kits per Post. Die ersten Werke der MEISTERCLASSCommunity kann man schon im Showroom bewundern. Bevor sie sich selbstständig machte, hatte Verena mit einer der Gründerinnen von ASK HELMUT zusammen in einer Beratung für Innovationsmanagement gearbeitet.

Verena und ich treffen uns an einem tristen Dienstag Nachmittag in Mitte. Schauen wir mal, ob HELMUT spontan ein gutes Programm aufstellen kann.

“Ich bin wirklich keine Mitte Tante, aber bei dem Wetter hab ich keine Lust nach Kreuzberg oder Neukölln”. Verena öffnet die App, begrenzt den Umkreis auf 3 km. Helmut findet 25 Veranstaltungen. Das ist uns immer noch zu viel, wir schränken die Auswahl ein auf Kunst. Gleich nebenan: Uwe Kowski in der Galerie Eigen + Art. Seit dem Umbau sind wir nicht mehr hier gewesen, wir sind begeistert. Die Mitarbeiterinnen der Galerie erzählen uns auf sehr unaufdringliche Weise mehr über den Künstler, die Atmosphere gefällt uns sehr. Ich stelle mir vor, wie gut eins der Bilder in meiner Wohnung aussehen würde und ärgere mich wie immer darüber, dass das auf absehbare Zeit nicht drin ist. Wir erfahren, dass zwei Mitarbeiterinnen des Galeristen Judy Lybke bald ihr eigenes Projekt realisieren dürfen: das Eigen + Art LAB. Es wird in den nächsten Wochen in der Torstraße eröffnen und jüngere, weniger bekannte Künstler ausstellen. Das wird direkt notiert.

Jetzt ist es 18 Uhr, beim Kaffee fragen wir HELMUT, wohin es als nächstes geht. “Antwort aus der Stille” im Deutschen Theater nach Max Frisch- wir sind Feuer und Flamme. Ein Klick auf die Vorführung nimmt uns leider die Vorfreude – ausverkauft. “Du kannst dir in der App die Produktion direkt ‘merken’, dann vergessen wir das nicht und können uns für die nächste Vorführung Tickets besorgen”, erklärt Verena.

Stattdessen entscheiden uns für “Im Keller” von Ulrich Seidel im Kino Central. Eine Doku-Fiktion über kuriose Kleinbürger in ihren Kellern. Das klingt auf jeden Fall absurd, und nachdem ich die Trilogie schon nicht gesehen habe, werden wir jetzt diese Bildungslücke schließen. Das Kino liegt versteckt im Hinterhof der Hackeschen Höfe und zeigt die Auswahl, die andere Kinos nicht zeigen. “Hier war ich zum ersten Mal xy, als ich nach Berlin gezogen bin. Schon fast ein Wunder in dieser Gegend, dass es das Kino noch gibt. Ich hoffe das bleibt so!” Das Kino ist klein und gemütlich, außer uns sitzen noch 12 andere in der Vorstellung.

Rechtsradikale, Waffennarren, SM-Freunde – ich hatte keine Ahnung, was für Obsessionen sich in ganz normalen Kellern verstecken! Nach Filmende bleiben wir erstmal eine Weile sprachlos sitzen. An Party ist nach diesem Film nicht mehr zu denken. Wir brauchen einen Drink. Und müssen reden. Noch immer finden wir bei ASK HELMUT 14 Veranstaltungen, u.a. eine Swing und Jam Session im Bassy Cowboy Club. Wir nehmen uns eine Kurzstrecke und setzen uns an die Bar. “Was meinst du, was der Kellner in seinem Keller so treibt?” fragt Verena. Ich versuche, das Kopfkino schnell wieder abzuschalten. Verena hat nicht zu viel versprochen. HELMUT hat dafür gesorgt, dass mich die Eindrücke dieses Tages noch eine Weile beschäftigen werden.

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