Börsengang des Jahres? Ein Spektakel? Auf jeden Fall ein großes Abenteuer! Rocket Internet geht an die Börse und ganz Deutschland schaut zu.

Alles beginnt mit einem Anruf zu Jahresbeginn: „Andreas, wir bringen Rocket an die Börse.“ Mit diesen Worten verändert Rocket-Oberhaupt Oli Samwer die komplette Jahresplanung. Viel Zeit bleibt nicht, denn das Listing wird bereits für Herbst angestrebt. Für einen Börsengang ein ziemlich sportlicher Zeitrahmen. Neben Schnelligkeit geht es nun um höchste Heimlichkeit: Nur wenige wissen von Projekt „Ignition“, Englisch für Zündung, dem Tarnnamen für den Börsengang. Die Liste der vorzubereitenden Dinge ist lang: Börsenprospekt, Roadshow, neue Website und vieles weitere mehr. Darüber sprechen kann man derweil nur mit einem winzigen Kreis von vielleicht zehn Eingeweihten.

Dann, am 30. Mai 2014, endet die arbeitssame Ruhe: Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg hat aus Finanzkreisen von unserem geplanten Börsengang erfahren und berichtet. Ich bin gerade mit meiner Familie an der Ostsee und sehe dort aber nur Schreibtisch statt Strand. Ab jetzt stehen wir noch mehr im Fokus der Öffentlichkeit, denn direkt ab Tag 1 ist klar: ein Rocket IPO wird eine große Sache. Nun überschlagen sich auch wöchentlich die Gerüchte. „Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass Rocket in New York an die Börse will.“ Nur wenige Tage später weiß die gleiche Quelle zu berichten, dass wir ein Listing in Hongkong anstreben. Die beste Antwort auf Gerüchte bleibt daher das eingeschulte: „no comment“. Am Ende wird es wie geplant das gute alte Frankfurt. Auch wenn viele es nicht glauben wollen: Wir sind sehr geradlinig und bodenständig.

Über die Sommermonate trifft das IPO-Team dann viele kleine und große Investoren. Der Zuspruch ist von Anfang an beeindruckend positiv. Endlich, Jahrzehnte nach SAP, wieder eine große Tech-Story aus Deutschland, freut sich das Ausland. In Deutschland überwiegen in der Wahrnehmung die Erinnerungen an den Niedergang des Neuen Markts und allgemeine Digital-Ressentiments. Wie auch immer: Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung sind überall enorm hoch.

Dann geht es los! Am Mittwoch, dem 10. September, gibt Rocket den Börsengang offiziell bekannt. Mit der sogenannten „Intention to float“ bestätigen wir nun das, was seit Wochen in den Medien zu lesen ist. Aus einem Büro in der Londoner City geben wir unsere erste telefonische Pressekonferenz. Im Internet informiert zeitgleich die neue Website über Rocket. Das Interesse ist so gewaltig, dass unsere IT zu kämpfen hat, die Server stabil zu halten.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Gefühlt jede Wirtschaftsredaktion beschäftigt sich eingehend mit Rocket und unseren Plänen. Selbst Nikkei aus Japan fragt nach einem Interview. Die Mails und Anrufe von Investoren, Analysten sowie Journalisten prasseln nur so auf uns herein. In diesen Wochen sind wir sicher eines der Top-Wirtschaftsthemen weltweit. Die eigene Familie sieht man im Gegenzug dafür kaum noch und Schlaf ist Mangelware.

Genau zwei Wochen nach Bekanntgabe des IPO veröffentlichen wir den knapp 300-seitigen Börsenprospekt und geben dazu am Morgen des 24. Oktober eine Pressekonferenz im Frankfurter Hotel InterContinental. Dort sitzen wir nun im Konferenzraum „Silhouette“ im 21. Stockwerk und haben einen fernsehreifen Blick auf Frankfurt. Nach einer einstündigen Präsentation beginnt das Frage-Antwort-Spiel. Rund 50 Kollegen der Presse haben sich eingefunden und fragen tief wie breit nach. Das Bild des Tages ist dann unser Management-Team vor der Skyline. Die Botschaft ist klar: Rocket kommt, steht auch Rede und Antwort. Mit diesem neuen Rocket muss man rechnen. Und mit den alten Klischees kommt man nicht mehr weit.

Es ist so weit: 2. Oktober – Rocket ist an der Börse. Merkwürdig, wie schnell dann alles wieder vorbei war. Die Minuten auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse vergehen wie im Flug. Der erste Kurs liegt bei 42,50 Euro und macht sich auf eine turbulente Reise. Oli beantwortet Frage um Frage in seinen sicher ein Dutzend Interviews an diesem Tag. Am Abend sind wir alle zurück in Berlin und feiern mit dem kompletten Team. Es gibt Burger und Bier, wie sich das bei uns gehört.

Der Alltag stellt sich erstaunlich schnell wieder ein. Wir arbeiten weiter daran, die größte Internet-Plattform außerhalb der USA und China zu werden. Die Zahl unserer Wegbegleiter ist merklich größer als noch vor einem Jahr. Einigen fallen auch weiterhin nur Copycat und Blitzkrieg ein, wenn sie über Rocket schreiben. Viele, viele andere wissen aber heute mehr zu sagen und sehen die riesigen Chancen, die Rocket mit seinen vielen Firmen und Märkten rund um den Globus in sich vereint. Eine echte digitale Erfolgsgeschichte made in Germany.

Rocket ist das Stück Silicon Valley mitten in Deutschland; eben nur ohne Hype. Irgendwann werden auch die Kritiker einsehen müssen: Wir meinen es ernst – Rocket hat sich auf den Weg gemacht und wird sukzessive auch all den gestiegenen Anforderungen an ein börsennotiertes Unternehmen gerecht werden. So fremd es sich für viele anfühlen mag, so richtig und wichtig ist solch ein digitaler Champion für den Standort Deutschland. Der Börsengang von Rocket ist kein Schlusspunkt, sondern der Startschuss – hoffentlich auch für viele andere. Wir brauchen ein Made in Germany 2.0 – denn auch Deutsche können Internet!


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