Berlin, Frankfurt, München waren gestern. Nachdem Berlin mit dem unschlagbaren Mix an Aufbruchstimmung, günstigem Lebensunterhalt sowie moderaten Mieten in den vergangenen Jahren erfolgreich israelische Gründer angelockt hat, ist es nun an der Zeit, mit der schönsten und wirtschaftsstärksten Stadt Deutschlands an diese Entwicklung anzuknüpfen. Vorhang auf für Hamburg – mit einem einzigartigen Mix aus hoher Lebensqualität (Elbe, Alster, Elbphilharmonie!) und starker Wirtschaft eine der dynamischsten ökonomischen Regionen Europas. Die Zukunftsaussichten für gelungene wirtschaftliche Beziehungen mit der Startup-Nation Israel: heiter bis rosig.

Vernetzen Hamburg mit Israel (v. l.): Stefan Hensel (DIG-Vorstand), Lukas Wiese (BVDS), May-Lena Bork (Next Media), Dan Zakai (Mindspace), Andrea Frahm (DIG-Vorstand), Carsten Ovens (MdHB), Yaniv Solnik (Stadeom), Eli Fel (DIW) (Foto: Simcha Studios Hamburg)
Vernetzen Hamburg mit Israel (v. l.): Stefan Hensel (DIG-Vorstand), Lukas Wiese (BVDS), May-Lena Bork (Next Media), Dan Zakai (Mindspace), Andrea Frahm (DIG-Vorstand), Carsten Ovens (MdHB), Yaniv Solnik (Stadeom), Eli Fel (DIW) (Foto: Simcha Studios Hamburg)

Butter bei die Fische

Die Auftaktveranstaltung von „Moin Hamburg, Shalom Israel: Let’s talk about B2B Opportunities“ der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) fand im November 2016 statt. Hier plauderte der Mindspace-Gründer und israelische Vorzeige-Entrepreneur Dan Zakai in seiner Hamburger Dependance aus dem israelischen Unternehmer-Nähkästchen. Nextmedia präsentierte israelische Gründer aus seinem Accelerator, die Deutsch-Israelische Wirtschaftsvereinigung berichtete vom Austausch im Mittelstand und der Bundesverband Deutsche Startups sicherte seine Unterstützung durch das deutsch-israelische Startup­-Austauschprogramm Gisep zu. Dazu gab es jede Menge koscheren Wein aus dem Golan und die Erkenntnis: Hamburg meets Israel – da geht einiges!

Unterstützt wird die Initiative neben der DIG unter anderem auch von der Hamburger Wirtschaftsförderung, dem Trade Center der israelischen Botschaft sowie dem Mindspace als Location- und Germania als Airline-Partner. Nachgelegt wurde dann im März 2017 auf israelischem Boden. Zu reinen Netzwerk-Events kommt im Startup-Vorzeigeparadies Silicon Wadi niemand mehr. Das Resultat der dreitägigen Tour: eine Auswahl an eindrucksvollen Präsentationen der etablierten Hamburger Wirtschaftscluster (Gesundheit, Medien, Luftfahrt, maritime Wirtschaft) und den damit verbundenen Standortvorteilen. Mit dabei: Philips, Nextmedia und Telekom Capital Partners.

Hilft israelischen Startups beim Sprung nach Deutschland: Europedays-Gründer Gilli Cegla (Foto: Tal Duek/Europe Days Conference)
Hilft israelischen Startups beim Sprung nach Deutschland: Europedays-Gründer Gilli Cegla (Foto: Tal Duek/Europe Days Conference)

In Hamburg weiß man, worauf es ankommt. Lukas Wiese, der beim Bundesverband Deutsche Startups das deutsch-israelische Startup-Austauschprogramm leitet, ist überzeugt von der internationalen Strahlkraft der Hamburger Cluster und freut sich, dass die Hamburger Gisep-Botschafter diese nach Israel tragen. „Der nächste Schritt ist die Integration von Startups in die Cluster der etablierten Wirtschaft. Mit Nextmedia Hamburg wurde im Medien- und IT-Cluster bereits hervorragende Arbeit geleistet“, fügt er hinzu. „Hamburg hat viele mittelständische Unternehmen und erfolgreiche Familien, die teilweise seit Jahrhunderten international tätig sind“, sagt Carsten Ovens. „Dieses Umfeld ist ideal für neue Ideen und kreative Köpfe, die von hier aus globale Märkte erreichen wollen.“

Vernetzungspotenzial der Standorte

Ovens kämpft in seiner Rolle als Mitglied der hamburgischen Bürgerschaft und Israel-Freund unermüdlich dafür, die operativen Rahmenbedingungen für internationale Startups in der Hansestadt auszubauen. Er war als Mitinitiator bei allen Veranstaltungen dabei, um die Hamburg-Fahne hochzuhalten. In Israel ist man beeindruckt vom Engagement der Hansestadt. Gilli Cegla, israelischer Investor und Gründer der erfolgreich etablierten Konferenz Europedays, die einmal im Jahr in Tel Aviv stattfindet, ist von dem Vernetzungspotenzial beider Standorte überzeugt: „Etablierte Unternehmen aus Hamburg in Verbindung mit Israels innovativen Startups, vor allem im Bereich neue Medien – definitiv eine Win-Win-Situation für die Zukunft!“

Cegla muss es wissen: Auf seiner Konferenz tummelt sich jedes Jahr das Who’s who der deutsch-israelischen Startup- und Investorenszene. Hamburg mischt seit diesem Jahr ganz vorne mit. Auf zahlreichen Delegationsreisen von Vertretern aus Wirtschaft und Politik wird es in den kommenden Monaten sowohl an der Elbe als auch am Mittelmeer hei­ßen: „Moin Hamburg, Schalom Israel!

Gastgeber: Dan Zakai im Hamburger Mindspace (Foto: Simcha Studios HH)
Gastgeber: Dan Zakai im Hamburger Mindspace (Foto: Simcha Studios HH)

Beeindruckende Innovationskraft

Ein besonderes Highlight: die im September zum DLD Innovation Festival geplante Delegationsreise von Katharina Fegebank, der zweiten Bürgermeisterin von Hamburg, der nach eigener Aussage die Beziehungen zwischen Israel und Hamburg ein Herzensanliegen sind. Daher freue sie sich sehr, sich bei ihrem Besuch einen Eindruck von der blühenden Gründerszene zu verschaffen und viele Anregungen zurück mit nach Hamburg zu nehmen. „Die Geschichte Israels ist voller Wunder, und sie ist voll von Bewundernswertem“, schwärmt die Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Sie fügt hinzu: „Besonders beeindruckend ist dabei die Innovationskraft. Das Land ist ein weltweit führender Hightech-Standort und auch bei erfolgreichen Existenzgründungen ganz weit an der Spitze. Von Beginn ihres Staates an war den Israelis bewusst, dass sie statt auf Bodenschätze nur auf die Schätze in ihren Köpfen vertrauen konnten. Und sie haben damit viel erreicht.“

Mit jeder Menge Chuzpe hat sich die israelische Startup-Szene in den vergangenen Jahren erfolgreich im Silicon Valley und auch in Berlin etabliert. Rolf Strittmatter, Geschäftsführer der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung ist jedoch der Meinung, dass Hamburg für israelische Gründer mehr zu bieten hat als Berlin. „Die hiesige Wirtschaft, auch die Außenwirtschaft, bietet nochmal andere Perspektiven. Als Wirtschaftsförderer sage ich manchmal scherzhaft: Babynahrung für Gründer gibt es in Berlin, feste Nahrung gibt es in Hamburg.“ Sababa – dem ist nichts hinzuzufügen.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Spezial: Startup-Szene Hamburg

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