Ada Health ist eine KI-unterstützte Healthcare-App, die mittlerweile über drei Millionen Menschen weltweit dabei hilft, ihre Symptome zu analysieren. 2011 haben sich die drei Gründer Dr. Claire Novorol, Daniel Nathrath und Dr. Martin Hirsch in Berlin getroffen. Mittlerweile ist Ada auf 100 Mitarbeiter angewachsen. Hauptfokus liegt auf der weiteren Verbesserung der User Experience und der Integration von Daten in die Symptomanalyse.

Warum sollten mehr Frauen gründen?
Claire Novorol: Frauen wissen, was Frauen brauchen. Außerdem werden 80 Prozent aller Gesundheitsentscheidungen von Frauen getroffen. Sie entscheiden nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder, Eltern, Partner. Dieser hohe Anteil an weiblichen Entscheidungsträgern sollte auch in der Gesundheitsbranche reflektiert werden.

Was hat dir den Mut gegeben, selbst zu gründen?
Claire Novorol: Meine Eltern, vor allem meine Mutter, haben mich immer dazu ermutigt, dass ich alles erreichen kann, wenn ich möchte, wenn ich nur hart genug dafür arbeite. Sie haben mir Vertrauen geschenkt und mich nicht in eine bestimmte Richtung geschubst. Vielleicht war ich deshalb auch als Medizinerin weiter offen für Neues.

„Es gibt viel mehr Männer in den wichtigen Positionen“

Was waren die Herausforderungen?
Claire Novorol: Ich kannte niemanden, der in meinen Schuhen steckte, und wusste, dass ich viel lernen musste, um überhaupt bereit zu sein für eine Gründung. Erst habe ich im Internet nach Inspirationen gesucht, nach Vorbildern – und diese um ein Interview gebeten. Alle haben Ja gesagt und mir weitere Kontakte gegeben. So habe ich ein Netzwerk aufgebaut und eine Info-Website. Mittlerweile ist daraus ein globale Community für Medizinstudenten, junge Doktoren und Entrepreneure enstanden, die als doctorpreneurs.com weitergeführt wird.

Bei identischen Inhalten und Präsentationen erhalten männliche Gründer mit einer 40 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eine Wagniskapitalfinanzierung.
National Academy of Sciences, MIT, Cambridge, Februar 2014

Gab es besondere Herausforderungen für dich als Frau?
Claire Novorol: Nichts Konkretes, generell ist es, glaube ich, für Männer einfacher, die richtigen Kontakte zu knüpfen. In England nennen wir es das „Old Boys“-Netzwerk. Es gibt eben viel mehr Männer in den entscheidenden Positionen. Lassen sich eine Gründung und Familie vereinbaren? Dort, wo ich jetzt mit meiner Firma stehe, habe ich sicher nicht mehr Zeit für meine Tochter, als ich es in einer festen Anstellung hätte. Vielleicht habe ich ein bisschen mehr Flexibilität, als ich in einem anderen Job hätte, und kann als eigene Chefin meine Tochter bei besonderen Veranstaltungen auch mal tagsüber begleiten. Generell finde ich es als Unternehmerin wichtig, dass meine Angestellten, egal ob Frauen oder Männer, durch flexible Arbeitszeiten im Leben ihrer Kinder involviert sein können.

Was muss passieren, damit mehr Frauen gründen?
Claire Novorol: Es muss noch mehr über das Thema Gründerinnen gesprochen werden. Wir brauchen Foren für Diskussionen, mehr Möglichkeiten für Frauen, sich zu vernetzen – und zwar nicht nur mit Frauen. Und wir müssen Unstimmigkeiten abbauen: Es gibt da viele interessante Studien, etwa die vom Harvard Business Review, in der beschrieben wird, wie unterschiedlich Investoren die Pitches von Frauen und Männern beurteilen. Selbst wenn beide ähnliche Dinge sagten, wurden Männer als selbstbewusst beurteilt, Frauen hingegen als übermäßig aggressiv.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 30

Ada Health

Branche: Health Tech
Beschreibung: Ziel von Ada Health ist es, die Zukunft der personalisierten Gesundheitsversorgung für jeden Menschen zugänglich zu machen.
Gründer: Dr. Claire Novorol (CEO), Daniel Nathrath und Dr. Martin Hirsch
Gründungsjahr: 2011
Mitarbeiter: > 120
Investitionshöhe:  40 Millionen Euro Series-A
Website: Ada Health

Die Gründer von Ada Health: Dr. Claire Novorol, Daniel Nathrath und Dr. Martin Hirsch. Foto: Ada
Die Gründer von Ada Health: Dr. Claire Novorol, Daniel Nathrath und Dr. Martin Hirsch. Foto: Ada

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