Zehn Jahre ist es her, dass Apple mit dem iPhone das moderne Leben revolutionierte. Doch viele stationäre Händler hatten damals noch nicht einmal „dieses Internet“ verdaut. Und manche schwanken noch heute zwischen Skepsis und Überforderung. Digitalisierung betrifft natürlich auch den stationären Handel, die Grenzen zwischen stationär und online verschwimmen, der Kunde ist nicht mehr nur König, sondern muss vom Händler jeden Tag aufs Neue gehegt und gepflegt werden, und zwar auf allen Kanälen. Wir stellen in acht Teilen 50 junge Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. Im sechsten Teil: Marketing


Optiopay: Unlock the potential of your payouts!

Schaffen Kundenmehrwert durch Auszahlungsoptionen: die beiden Optiopay-Gründer Oliver Oster und Marcus Börner (Bild: Jann Venherm)
Schaffen Kundenmehrwert durch Auszahlungsoptionen: die beiden Optiopay-Gründer Oliver Oster und Marcus Börner (Bild: Jann Venherm)

Optiopay ist ein auf Auszahlungen spezialisierter Technologieanbieter. Das Fintech übernimmt den ganzheitlichen Auszahlungsprozess für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Mit Optiopay können Unternehmen ihren Zahlungsempfängern beispielsweise höherwertige Einkaufsgutscheine als Auszahlungsoption anbieten – einfach, sicher und effizient. Optiopay übernimmt die gesamte Abwicklung von Zahlungen mit einem einzigen System, das als White-Label-Lösung konzipiert ist und flexibel in jedes Zahlungssystem integriert werden kann. Renommierte Partner wie Amazon, Zalando oder Adidas stehen dem Empfänger dabei als Einlösungsoptionen zur Verfügung. Wer hat was davon? Das auszahlende Unternehmen kann durch die Teilnahme an Optiopay die Kundenzufriedenheit steigern und Prozesse digitalisieren. Für den Endkunden schafft Optiopay einen bezifferbaren Mehrwert und der Anbieter der Auszahlungsoption ist im positiven Moment des Gelderhalts präsent.

Ein Fallbeispiel

Frau Schmidt wurde das Fahrrad geklaut. Glücklicherweise hat sie beim Kauf eine Diebstahlversicherung abgeschlossen und erhält nun von ihrem Versicherer 500 Euro. Optiopay bietet Frau Schmidt die Möglichkeit, ihre Auszahlung in höherwertige Einkaufsgutscheine umzuwandeln. Innerhalb der Optiopay-Auszahlungsplattform kann Frau Schmidt aus 500 Euro einen Einkaufsgutschein im Wert von 550 Euro machen und erzielt dadurch einen Mehrwert von zehn Prozent. So kann sie sich zusätzlich zum neuen Fahrrad gleich noch ein neues Schloss kaufen.

Sitz: Berlin
Gründung: 2014
Gründer: Marcus Börner, Oliver Oster
Mitarbeiter: 50+
Investoren: Main Incubator, Nationale-Nederlanden
URL: optiopay.com


So1: Künstliche Intelligenz für hocheffiziente Promotions

Welcher Preisabschlag ist nötig, damit der Konsument den Händler wechselt? Das will Gründer und CEO Raimund Bau mit So1 Engine herausfinden (Bild: So1)
Welcher Preisabschlag ist nötig, damit der Konsument den Händler wechselt? Das will Gründer und CEO Raimund Bau mit So1 Engine herausfinden (Bild: So1)

So1 hat einen neuen Ansatz für Preispromotions in der Konsumgüterindustrie entwickelt. Die Technologie-Plattform arbeitet auf Basis künstlicher Intelligenz und ermöglicht es Herstellern und Händlern, Konsumenten mit individuellen Preispromotions zu erreichen. Das Ergebnis: eine Effizienzsteigerung um bis zu zehn Prozent im Vergleich zu traditionellen Kanälen wie Handzettel oder Coupons. Damit löst So1 eines der drängendsten Probleme von Handel und Industrie: die jährlich steigenden Milliardeninvestitionen in Promotions, die kaum noch Wirkung bei Konsumenten entfalten. Rund 60 Prozent der Promotions in Deutschland schaffen den Break-even nicht, weil sie häufig die Kunden erreichen, die dieselbe Marke oder Produktkategorie beim selben Händler ohnehin gekauft hätten.

Individuelle Rabatte durch Deep Learning

So1 hingegen berechnet Angebote passgenau für die richtigen Konsumenten. Die von So1 entwickelte künstliche Intelligenz – So1 Engine – basiert auf Deep-Learning-Methoden und berechnet präzise, welcher Preisabschlag notwendig ist, damit die attraktivsten Konsumenten die Marke oder den Händler wechseln. Dazu analysiert die So1 Engine Warenkorb- und Kundenkarteninformationen in Echtzeit, entschlüsselt das Einkaufsverhalten und latente Produkteigenschaften, und ermittelt die Zahlungsbereitschaft je Produkt. Auf Basis dieser Daten werden relevante Angebote programmatisch über digitale Kanäle oder In-Store-Kiosksysteme an die passenden Konsumenten ausgespielt. Dadurch verdreifacht sich im Mittel der Return on Investment (ROI) der eingesetzten Budgets. Mit So1 können Promotions autonom und in Echtzeit gestartet, geändert und ausgewertet werden – unterstützt durch ein erfolgsbasiertes Abrechnungsmodell.

Sitz: Berlin
Gründung: 2012
Gründer: Raimund Bau, Sebastian Gabel
Mitarbeiter: 46
Investoren: Target Partners, Shortcut Ventures
URL: so1.net


Dive: Die neue Art des Fernsehens

Gerade gesehen, schon gekauft: Mit Dive erfährt der Zuschauer alles Wissenswerte rund um seine Lieblingsfilme und -serien und kann Produkte mit wenigen Klicks kaufen (Bild: Dive)
Gerade gesehen, schon gekauft: Mit Dive erfährt der Zuschauer alles Wissenswerte rund um seine Lieblingsfilme und -serien und kann Produkte mit wenigen Klicks kaufen (Bild: Dive)

Abends läuft ein Spielfilm im Fernsehen. Beim Zuschauer tauchen Fragen auf: „Wer ist dieser Schauspieler und wo habe ich ihn schon mal gesehen?” „Mir gefällt diese Halskette – wo kann ich sie kaufen? „Wo wurde diese Szene gedreht? Da will ich hinfahren!” Mit Dive erfährt er mit einem Klick mehr zu Filmen und Serien und kann mit einem weiteren Klick das gesehene Produkt kaufen oder eine Reise zum Drehort buchen.

Computer & Vision & Deep Learning

Das Startup wendet Verfahren der künstlichen Intelligenz wie Computer Vision, Deep Learning und Machine Learning an, um alle Details von Videoinhalten zu kontextualisieren und diese anschließend mit einem Call-to-Action zu verlinken. Für alle, die Amazon X-Ray bereits kennen – Dive geht noch einen Schritt weiter und bietet den Zuschauern Zugang zu einer großen Bandbreite interaktiver Inhalte: Schauspieler, Charaktere, Synopsis, Musik, Mode, Orte, Essen, Autos, Sehenswürdigkeiten, Gadgets und vieles mehr. Ob Contextual Advertising oder ein Schritt in Richtung Addressable TV – Dive eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten. Fernsehsendern und Anbietern von Video-on-Demand-Diensten (VOD) bietet Dive eine neue Möglichkeit, Inhalte zu monetarisieren, ohne direkt in sie eingreifen zu müsse. Für Marken und Händlern tut sich ein neuer Verkaufskanal auf mit der Chance, Kunden genau an der Stelle zu erreichen, an der sie am aufnahmewilligsten für gezielte Angebote sind: nämlich dann, wenn sie sich aktiv mit Markenwelten auseinandersetzen. Dive kann mit verschiedenen Medien wie linearem Fernsehen, VOD-Diensten oder DVD und über unterschiedliche Geräte – Smart TV, PC, Smartphone, Tablet – genutzt werden. In der Juni-Ausgabe der „MIT Technology Review“ wurde Dive als „App des Monats“ vorgestellt.

Sitz: München & Madrid
Gründung: 2015
Gründer: Dr. Jose Luis Florez, Carlos Echalecu, Guillermo Encina Varela, David González, Sharique Husain
Mitarbeiter: 60
URL: dive.tv


Fanmiles: Loyalität als Lebensstil

Das Management-Team: Alan Sternberg, Jens Dreßler, Fabian Schmidt und Jens-Florian Krieg (Bild: Fanmiles)
Das Management-Team: Alan Sternberg, Jens Dreßler, Fabian Schmidt und Jens-Florian Krieg (Bild: Fanmiles)

Fanmiles ist 2013 als Loyalty-Programm für Fußballfans gestartet. Fan zu sein bedeutet heute nicht mehr nur, ein Poster des Idols aufzuhängen. Fans können ihren Stars rund um die Uhr auf allen Social-Media-Kanälen folgen. Die Gründer von Fanmiles haben das Potenzial dahinter erkannt und eine zentrale Plattform geschaffen, die alle Fan-Aktivitäten vereint und belohnt. Stars und Marken incentivieren die Aktivitäten und Treue ihrer Anhänger mit der virtuellen Währung #Fanmiles, beispielsweise für die Teilnahme an einem Tippspiel oder das Anschauen von Videos. Wenn ein Nutzer über ausreichend #Fanmiles verfügt, kann er mit seinem Guthaben Produkte der Partner erwerben – seien es Sportschuhe, Konzerttickets oder auch eine Videobotschaft des Lieblingsstars.

Nicht nur für Sportfans

Die Vision von Fanmiles geht aber weit darüber hinaus, ein Bonus-Programm nur für Sportfans zu sein. Ziel des Berliner Unternehmens ist es, eine weltweit universelle Loyalty-Währung für Unternehmen und Apps zu werden und so Business- Partnern und Entwicklern die Möglichkeit zu geben, direkt und nachhaltig in die Kundenbindung zu investieren. B2B-Partnern bietet Fanmiles neben der virtuellen Währung die erste offene Self-Service-Plattform für Loyalty-Marketing an. Als offenes Ökosystem arbeitet das Startup mit dritten Entwicklern und Unternehmen zusammen. Das Ergebnis: überdurchschnittlich engagierte Kunden, die eine höhere Markenbindung aufweisen als es bei den meisten fragmentierten Anbietern der Fall ist. Fanmiles kann in alle Kanäle, Apps und Services integriert werden. Damit unterscheidet sich die Loyalty-Lösung von herkömmlichen geschlossenen Bonus-Programmen, die nur eine limitierte Partnerauswahl abdecken. Selbst für Offline-Stores gibt es eine Lösung: Mit dem Fanpad belohnen Partner ihre Kunden nach dem Einkauf mit #Fanmiles, ohne eine zusätzliche Kassenintegration zu benötigen.

Sitz: Berlin
Gründung: 2013
Gründer: Fabian Schmidt, Alan Sternberg
Mitarbeiter: 30
Investoren: Philipp Lahm Holding, Auden AG, Business Angels
URL: fanmiles.com


Store2be: Zielgruppen erreichen durch Live-Marketing

Wollen Markenbegegnungen schaffen, die in Erinnerung bleiben: Peter Gundel, Marlon Braumann, Emil Kabisch und Sven Wissebach (Bild: Store2be)
Wollen Markenbegegnungen schaffen, die in Erinnerung bleiben: Peter Gundel, Marlon Braumann, Emil Kabisch und Sven Wissebach (Bild: Store2be)

Werbung wird online wie offline von vielen Menschen als störend wahrgenommen und zunehmend gemieden oder ignoriert – sei es durch das Installieren von Adblockern oder durch das sogenannte Second-Screen-Verhalten, die Nutzung eines weiteren Bildschirms parallel zum laufenden Fernsehprogramm. Das Berliner Startup Store2be begegnet diesem Trend, indem es Marken und Konsumenten durch gezielt eingesetztes Live-Marketing näher und passgenau zusammenbringt. Live-Marketing erreicht den Kunden offline und direkt. Die persönliche Begegnung bleibt in Erinnerung und schafft eine positive Markenassoziation. So wird der Kaufimpuls merklich verstärkt. Über die größte Buchungsplattform für Aktionsflächen in der DACH-Region können werbetreibende Unternehmen und Agenturen mit wenigen Klicks Aktions- und Promotionflächen bei Einzelhändlern, in Einkaufszentren, Hochschulen, Flughäfen, Bahnhöfen oder auf Events anmieten. Flächeninhaber wiederum können ihre Flächen auf store2be.com kostenlos eintragen und flexibel an spannende Marken und Unternehmen vermieten.

Analyse-Tools schaffen messbare Ergebnisse

Die Store2be Event Analytics Box ermöglicht über WLAN und Bluetooth-Signale Rückschlüsse über den Erfolg einer Live-Marketing-Aktion. Alle Daten können in einem Online Dashboard eingesehen und ausgewertet werden. Darüber hinaus bietet Store2be die Möglichkeit, Zusatzleistungen wie Standbau und Personal zu buchen. Derzeit sind über 1000 Flächen online – und es sollen noch viel mehr werden. Die Mission des Berliner Startups: ein globales Flächennetzwerk aufzubauen, um Marken weltweit die zielgruppengenaue, skalierbare und messbare Durchführung von Live Marketing zu ermöglichen.

Sitz: Berlin
Gründung: 2015
Gründer: Dr. Marlon Braumann, Sven Wissebach, Emil Kabisch, Peter Gundel
Mitarbeiter: 14
URL: store2be.com


Stocard: Alle Kundenkarten in einer App

Übersichtlich: Stocard macht Plastikkarten im Portemonnaie überflüssig (Bild: Stocard)
Übersichtlich: Stocard macht Plastikkarten im Portemonnaie überflüssig (Bild: Stocard)

Mit mehr als 15 Millionen Nutzern ist Stocard das weltweit führende Mobile Loyalty Wallet. Ob Ikea Family, Miles & More oder Payback – mit Stocard haben Kunden alle ihre Kundenkarten gebündelt in einer App und können bei jedem Einkauf immer und überall Punkte zu sammeln, ohne den Ballast unzähliger Plastikkarten. Darüber hinaus machen weitere Funktionen die Beziehung zwischen Kunde und Händler auf dem Smartphone erlebbar: Kunden erhalten aktuelle Angebote und News ihrer Lieblingshändler direkt in ihrer digitalen Geldbörse, der Stocard App. Die Punktestände der einzelnen Kartenprogramme sind unkompliziert einsehbar, neue Kundenkarten können direkt in der App beantragt werden. Handelspartner realisieren durch die Kooperation mit Stocard erhebliche Kosteneinsparpotenziale und können neue Stammkunden aus einer extrem affinen Zielgruppe gewinnen. Mit zeitlich optimierten Push-Nachrichten und ortsbezogenen Angeboten können sie die Anzahl der Kunden in ihren Filialen steigern.

Mehr als Punkte sammeln

Nicht nur Millionen von Kunden hat die App bereits überzeugt, auch Werbetreibende schlagen mit Stocard erfolgreich die Brücke zwischen digital, mobil und online. Mit Standorten in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Australien zählt Stocard bereits einige der weltweit größten Handelsunternehmen zu seinen Kunden. Das Mannheimer Startup arbeitet weiter daran, mit innovativen Technologien ein ganzheitliches Einkaufserlebnis zu schaffen: Künftig werden Kunden mit der App nicht nur Punkte sammeln, sondern auch direkt bezahlen können.

Sitz: Mannheim
Gründung: 2012
Gründer: Björn Goß, David Handlos, Florian Barth
Mitarbeiter: 34
URL: stocard.de


In unserem siebten Teil der Serie „50 Startups, die den Handel revolutionieren“ erfahren Sie in Kürze, wie Brickspaces, Appjobber, Sensape und mehr im Bereich Point of Sale den Handel voranbringen.


Dieser Artikel erschien zuerst in DIGITAL COMMERCE 2017 – 50 STARTUPS VERÄNDERN DEN HANDEL. Die Sonderbeilage von Berlin Valley in Zusammenarbeit mit Der Handel und der DFV Mediengruppe analysiert auf 116 Seiten Herausforderungen sowie Chancen des Handels in einer digitalen Welt und stellt zukunftsorientierte Startups aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. DIGITAL COMMERCE 2017 – jetzt kostenlos laden und lesen

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