#1 Erst denken, dann handeln

 Die Idee passt, der Markt existiert, das Team steht, die Finanzierung ist gesichert – jetzt kann es ja richtig losgehen. Bevor Ihr jetzt Gas gebt und in alle Richtungen loslauft, empfehle ich erst mal ein paar strategische Eckpfeiler und Ziele festzulegen:

  • Wie ist Eure Positionierung? Wie differenziert Ihr Euch vom Wettbewerb? Was ist der USP? Wo wollt Ihr hin?
  • Wofür steht Eure Marke? Welche Werte stehen dahinter? Was ist der Markenkern?
  • Wer ist Eure Kernzielgruppe? Was wisst Ihr über sie? Was sind die Pain-Points?
  • Wie macht Ihr Eure Marke bei der Zielgruppe bekannt? Welches Versprechen wird der Zielgruppe gegeben? Welche Marketing- und Vertriebskanäle sind am besten geeignet, um neue Kunden zu akquirieren?
  • Was heißt Erfolg für Euer Startup? Wo wollt Ihr in zwölf Monaten stehen? Was sind die wesentlichen Ziele, die Ihr euch setzt? Was erwarten Eure Stakeholder? An welchen KPI wird Euer Erfolg gemessen?

Für einige dieser Fragen habt Ihr sicher schon die Antworten parat, einen Businessplan gibt es auch und das (noch) kleine Team ist auch auf die gemeinsamen Ziele eingeschworen.

Dennoch die Faustregel: Ein Tag Planung erspart acht Tage Arbeit und stellt sicher, dass Ihr Eure wertvollen Ressourcen bestmöglich und zielgerichtet einsetzt.

Ein „Strategie-Workshop“, in dem die oben genannten Eckpfeiler gemeinsam festgelegt werden, kann viele Missverständnisse und unnötige Fehler vermeiden und stellt sicher, dass das komplette Team wirklich in einem Boot sitzt. Auch Investoren sind gerne bei einem solchen Workshop dabei, gegebenenfalls können sie ihn auch moderieren.

Natürlich lässt sich nicht alles planen – wir wissen heute, dass man in einem komplexen Umfeld nur mit agilen Methoden zum Ziel kommt. Doch es gibt auch viele komplizierte Themen und Aufgaben, die sich durch ein durchdachtes Vorgehen und mithilfe einer Checkliste schneller und einfacher lösen lassen.

#2 Fokus, Fokus, Fokus

Immer wieder läuft das Team Gefahr, vor lauter Aufgaben und Projekte in operativer Hektik zu versinken. Der Überblick geht dabei schnell verloren. Trotz moderner Tools und Kaffeepausen kann die Abstimmung untereinander darunter sehr leiden. Entscheidungen werden mit unzureichender Informationsgrundlage und unter Zeitdruck getroffen, die Fehlerquote steigt und man verzettelt sich.

Um diesen Teufelskreis zu vermeiden hilft nur, sich als Gründerteam immer wieder einmal (zum Beispiel in monatlichen Reviews) aus dem Tagesgeschäft herauszuziehen, um sich zu re-fokussieren. Wenn man seinen Status quo gegen die gesetzten Ziele überprüft, kann man das Team wieder auf die richtige Spur setzen. Werden Fortschritte regelmäßig gemessen, lässt sich gut nachvollziehen, bei welchen Themen es gut läuft und wo es Optimierungsbedarf gibt.

Grundsätzlich kann ich nur empfehlen, nicht zu viele neue Themen gleichzeitig anzugehen – das Produkt sollte erst wirklich ausgereift sein, bevor das Marketing hochgefahren oder in neue Länder expandiert wird. Das macht nur Sinn, wenn sich das Geschäftsmodell im Heimatland bewährt hat.

#3 People Matter Most

Je erfahrener die Gründer, desto klarer ist ihnen bewusst, dass das Team das eigentliche Asset der Company ist. Sicherlich spielen die Idee, das ausgefeilte Produkt und die proprietäre Technologie eine wichtige Rolle, um ein erfolgreiches Business aufzubauen. Am Ende des Tages sind es aber kompetente, hoch motivierte, kreative, innovative Menschen, die über den nachhaltigen Erfolg entscheiden. Dies sollte von Anfang an bei allen wichtigen Entscheidungen bedacht werden:

  • Wie rekrutieren wir neuen Mitarbeiter und wie finden wir die besten Talente?
  • Nach welchen Kriterien selektieren wir?
  • Wie läuft das Onboarding?
  • Wie stellen wir sicher, dass jeder neue Mitarbeiter ab Tag eins produktiv arbeiten kann?
  • Was ist eine faire Bezahlung, die in unser Budget passt?
  • Wieviel Equity sind wir bereit, für Leistungsträger abzugeben?
  • Nach welchen Maßstäben und Kennzahlen bewerten und messen wir Performance in einem agilen Umfeld?
  • Welche Werte sind uns wichtig?
  • Was ist unser Verhaltenskodex?
  • Wann trennen wir uns von einem Mitarbeiter?

All diese Fragen scheinen unwichtig, wenn man als kleines Gründer-Team in einem Raum sitzt – doch wenn es plötzlich mehr als 20 Mitarbeiter sind, sind klare Spielregeln und durchdachte Leistungskennzahlen sehr hilfreich. Ab der magischen Größe von 40, werden klare Strukturen, einheitliche Richtlinien und transparente Prozesse unabdingbar.

Wer ambitionierte Wachstumsziele verfolgt, kann das Thema People gar nicht überschätzen. Ich empfehle frühzeitig einen HR-Profi mit an Bord zu nehmen, der die wesentlichen Grundlagen – von Employer Branding bis Gehaltsabrechnung – schafft. Dabei sollten alle Startups, deren Kernkompetenz nicht in HR-Prozessen liegt, sich überlegen, bestimmte Aufgaben an kompetente Partner abzugeben.

#4 Demütig Bleiben

Ein gesundes Selbstbewusstsein, Ehrgeiz, ein selbstsicherer Auftritt und ein hohes Energieniveau sind wichtige Eigenschaften eines Gründerteams, um sich erfolgreich zu entwickeln und schnell zu wachsen. Rasant steigende Kennzahlen sind aber nicht alles und können zum Verhängnis werden, wenn Strukturen und Prozesse nicht mitwachsen.

Oft erleben wir hungrige Alphatiere, die vor Ehrgeiz nur so strotzen und ankündigen, im ersten Jahr Millionenumsätze zu generieren und die in zehn Länder gleichzeitig expandieren wollen. Hier ist Vorsicht geboten. Erfahrungen zeigen, dass Startups erfolgreicher und nachhaltiger wachsen, die sich keine überzogenen Zielen stecken, sondern sich Schritt für Schritt mit einer gewissen Demut voran tasten, bis Produkt, Geschäftsmodell und Marktangang wirklich passen. 

#5 Um Hilfe Bitten

Die Annahme, man müsse als Gründer wirklich alles selber machen, da man es eh besser kann und nur Geld verschwendet, ist zu kurzfristig gedacht und verhindert Wachstum eher als es zu fördern. Erfolgreiches Wachstum entsteht durch Skalierung der relevanten Hebel, zum Beispiel Steigerung der Konversionsrate, so dass die Kundenakquisitionskosten (CAC) langfristig niedriger sind als der Customer Lifetime Value (CLV). Das erreiche ich nur, wenn ich mich auf meine Stärken (zum Beispiel Produkt, IT, Marketing, Vertrieb, BI) konzentriere. Folglich ist es effektiver, sich Unterstützung in den Bereichen zu holen, wo das Team Schwächen oder Lücken hat.

Das eigene Netzwerk ist ein wichtiger Erfolgsfaktor: Erfahrene Investoren und Business Angel haben meist großartige Kontakte, auf die man zugreifen kann. Man muss sie nur fragen. Mit ein bisschen Recherche lassen sich Verbindungen zu Zielkunden oder wichtigen Influencern über soziale Netzwerke identifizieren und so wertvolle Abkürzungen nehmen.

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1 Kommentar auf "Fünf Tipps für Startups, die erfolgreich wachsen wollen"

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