Gerade erst hat die ARD in ihrer Doku „Go West, Ihr Genies!“ die fehlende Risiko- und Investitionsbereitschaft in Deutschland beklagt. Dies sei ein Grund, warum die deutsche Tech-Elite ins Silicon Valley flüchte, wo mittlerweile 50.000 Deutsche arbeiten. Während in Deutschland 2016 gerade einmal 1,9 Milliarden Dollar Venture Capital investiert wurden, lag das Volumen in den USA bei knapp 59 Milliarden Dollar. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland Platz drei hinter Großbritannien und Schweden.

Das soll sich ändern. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt erklären Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und Jens Spahn, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, wie die Bundesregierung schnell wachsenden innovativen Unternehmen in allen Phasen ihrer Entwicklung in ausreichendem Maße Kapital zur Verfügung stellen will.

Beteiligung an der Wertsteigerung

Erster Hebel zur Stärkung des Wagniskapitalmarktes ist die im Frühjahr 2016 aufgelegte ERP/EIF Wachstumsfazilität in Höhe von 500 Millionen Euro. Antragsberechtigt sind Venture-Capital-Fonds, die maßgeblich in Deutschland investieren und deren Anlagepolitik insbesondere Technologieunternehmen in ihrer frühen Entwicklungsphase oder Anschlussfinanzierungen für Technologieunternehmen in ihrer frühen oder in ihrer Wachstumsphase beinhaltet.

Das zweite Zauberwort lautet Venture Debt. Gemeint ist ein festverzinsliches Darlehen, das an Unternehmen vergeben wird. „Das Instrument ist gekennzeichnet durch kurze Laufzeiten, regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen, erstrangige Besicherung an allen Assets eines Wachstumsunternehmens und risikogerechte Festverzinsungsvereinbarungen plus einer zusätzlichen Beteiligung des Venture-Debt-Gebers an den Wertsteigerungen der finanzierten Unternehmen“, schreiben die Autoren.

Errichtung eines Tech Growth Fund

In den vergangenen Jahren hat der Bund sich bereits zusammen mit dem Europäischen Investitionsfonds an ersten Venture-Debt-Fonds beteiligt. Darüber hinaus können mit dem ERP-Fondsinvestmentprogramm der KfW seit Jahresbeginn neben Venture-Capital-Fonds auch Venture-Debt-Fonds kofinanziert werden. Und nun arbeitet die Bundesregierung gemeinsam mit der KfW an der Errichtung eines „Tech Growth Fund“, aus dem förderungswürdige Unternehmen in der Wachstumsphase Venture-Debt für ihre Anschlussfinanzierungen erhalten können. Ziel sei es, so über mehrere Jahre zusätzliche Startup-Finanzierung von mehreren Milliarden Euro zu mobilisieren, sagen die Autoren.

Machnig/Spahn: „Den Erfolg junger, innovativer Unternehmen in der Wachstumsphase zu verbessern ist wichtig, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken und wettbewerbsfähige und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Wir werden die Marktentwicklung und die verschiedenen Formen des Kapitalbedarfs weiter sehr eng verfolgen und unser Produktportfolio im Wagniskapitalbereich an sich ändernde Anforderungen anpassen.“

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