Um Gründer auf ihrem Weg von der Universität ins Unternehmertum zu begleiten, gibt es in Frankfurt und Umgebung gleich eine ganze Reihe von universitären und universitätsnahen Einrichtungen und Netzwerken. Bereits seit 16 Jahren fördert der Unibator der Goethe-Universität Frankfurt am Main Studierende, Mitarbeiter und Alumni aller Fachbereiche bei der Umsetzung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse und den daraus entstehenden Geschäftsideen zu marktreifen Produkten und Dienstleistungen.

Das Programm dauert bis zu 18 Monate, und bei Erfolg steht am Ende ein validiertes und skalierbares Geschäftsmodell. „Die meisten unserer Gründer sind Studenten oder ehemalige Studenten, viele kommen aus dem Großraum Frankfurt”, berichtet Interims-Geschäftsführerin Katharina Funke-Braun. In Zusammenarbeit mit dem forschungsstarken Fachbereich Wirtschaftswissenschaften liegt der Fokus des Unibators auf dem Bereich Fintech.

Vom Selection Day ins Bootcamp

Startpunkt des vierstufigen Programms ist der Pitch am Selection Day. Ist diese Hürde genommen, beginnt die Arbeit im Bootcamp: Die Gründer in spe erhalten von ausgewählten Mentoren und Experten aus dem Unibator-Netzwerk Feedback zu Team und Geschäftsidee. In einer Workshop-Reihe werden anschließend alle relevanten Kompetenzen und Tools zu Themen wie Kundengewinnung, Geschäftsmodellentwicklung und Finanzierung vermittelt sowie Meilensteine formuliert.

Bei den regelmäßig stattfindenden Evaluation Days werden diese Kennzahlen überprüft. Wer schließlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell mit einem Proof of Concept entwickelt hat und sogar erste Kunden vorweisen kann, der ist reif für den Pitch Club, um vor erfahrenen Investoren um die erste Finanzierung zu pitchen.

Das Netzwerk soll wachsen

Einige Erfolgsgeschichten: Das Unternehmen Di Support nahm seinen Anfang am Unibator und ist jetzt führender Plattformanbieter für personalisierte Foto- und Druckprodukte. Das Startup Meinunternehmensfilm produziert Erklärvideos sowie Imagefilme und zählt Nescafé, Opel und Xing zu seinen Kunden. Unter den erfolgreichen Alumni findet sich auch Debitos, eine Online-Forderungsbörse, auf der Unternehmen ihre Forderungen und Kredite in einem Auktionsverfahren verkaufen können.

Für die Zukunft plant Funke-Braun, die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten zu vertiefen und das Spektrum des Unibators zu erweitern, ohne dabei den Fintech-Fokus aufzugeben. „Ein breites Spektrum tut einem Inkubator generell gut.“ Eine stärkere Berücksichtigung der Naturwissenschaften sei möglich, aber auch ungewöhnliche Kooperationen seien denkbar: Die gelernte Damenschneiderin reizt vor allem eine Vernetzung mit dem kreativen Bereich: „Ich würde meine Fühler gerne in Richtung Offenbach ausstrecken. An der Hochschule für Gestaltung gibt es viele spannende Konzepte, etwa im Bereich Industrial Design.”

Die Hochschule für Gestaltung (Hfg) Offenbach ist bereits in der Gründungsförderung aktiv. Gemeinsam mit der Frankfurt University of Applied Sciences und der Hochschule Rheinmain in Mainz ist sie Teil der Route A66 – einem hochschulübergreifenden Gründernetz für Akademiker und Studierende, das von vielen namhaften Partnern aus Wirtschaft, Verbänden und Kommunen unterstützt wird. Ein jüngerer Player in dem Umfeld ist seit dem Jahr 2013 das Gründungszentrum Highest (Home of Innovation, Growth, Entrepreneurship and Technology Management) an der Technischen Universität Darmstadt. Die Hochschule mit dem Schwerpunkt auf Ingenieurs- und Naturwissenschaften versteht sich als Gründeruniversität und als Motor für Innovation und Wirtschaftswachstum in der Rhein-Main-Region – mehr als 300 Erfindungen sind in den vergangenen fünf Jahren aus ihr hervorgegangen.

80 Startups in vier Jahren

„Als Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt haben wir besonderen Zugang zu Startups mit technologiebasiertem Hintergrund. Seit 2013 sind im Umfeld von Highest fast 80 Startups entstanden, von denen sich sehr viele im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt haben”, fasst Melanie Minderjahn vom Gründerzentrum zusammen. Zu den Gründungen im Umfeld der TU zählt unter anderem das Startup Sulfotools, das ein neuartiges, umweltfreundliches Verfahren zur Peptid-Herstellung entwickelt hat, mit dem sich organische Lösungsmittel durch Wasser ersetzen lassen – eine Idee, die 2015 auch den Merck Accelerator überzeugt hat.

Dieser Artikel erschien zuerst in BERLIN VALLEY SPEZIAL – STARTUP-SZENE FRANKFURT. Die Sonderbeilage analysiert auf 44 Seiten den Standort und das Rhein-Main-Gebiet, lässt die wichtigen Player aus Old und New Economy zu Wort kommen und versucht eine Antwort auf die Frage zu finden: Warum liegt Frankfurt im innerdeutschen Startup-Standort-Ranking nur im Mittelfeld, obwohl die Stadt über ein so klares Wirtschaftsprofil verfügt? Eine spannende Spurensuche. BERLIN VALLEY SPEZIAL – STARTUP-SZENE FRANKFURT jetzt kostenlos laden und lesen

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