Wenn man – so wie ich – im Rahmen der Migrationskrise zum ersten Mal mit deutschen Ministerien, dem Staat und Entwicklungsagenturen zusammenarbeitet, so steht man schnell vor vielen bürokratischen Hürden. Umso verwunderlicher und erfreulicher war es dann, als bei mir und einigen der spannendsten Berliner Innovatoren plötzlich vom Land Berlin eine Einladung nach Asien ins Postfach flatterte – almost all inclusive. Denn die Senatsverwaltung für Wirtschaft hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und mit Förderung des Bundesentwicklungshilfeministeriums das Netzwerk StartHubs AsiaBerlin ins Leben gerufen, um Berliner und asiatische Startups enger zu verbinden. Auf der Roadshow, die vom 18. bis 27. Oktober stattfand, reiste eine Delegation von 25 deutschen und asiatischen Unternehmern durch die Partnerstädte Bangalore, Manila und Jakarta, um sich vor Ort zu vernetzen und Kooperationen zu vereinbaren.

Die Reiseplanung hat etwas länger gedauert, weil doch einige Regeln des öffentlichen Sektors beachtet werden mussten, was für den einen oder anderen Gründer, der viel Freiheit gewöhnt ist, schon ein kleines Kunststück war. Definitiv ist die Roadshow aber eine Erfahrung, die für die langfristige Zusammenarbeit mit den Ministerien und dem Land Berlin im Aufbau des eigenen Geschäfts sehr nützlich ist.

Eine bunte Truppe

Fünf Berliner Startupper traten die Reise gemeinsam mit Vertretern des European Innovation Hubs und einigen der größten Acceleratoren Europas an. Außerdem wurden Delegierte aus den Partnerstädten zur Roadshow eingeladen.

An den asiatischen Teilnehmern fiel mir besonders auf, wie man sich auch hier mit dem Thema „Awareness“ auseinandersetzt. Die Mitglieder unserer Delegation kamen beispielsweise von der größten Crowdfunding-Plattform Indiens Fuel a Dream, die sich stark für die Linderung von Problemen in schwierigen Regionen des Landes einsetzt. In Indonesien ist wegen der niedrigen Lebenserwartung E-Health ein immer wichtigeres Thema.

Die Berliner Gründer hingegen tragen mittlerweile verschiedene Hüte. Für uns ist es nicht so schwierig, diverse Projekte nebeneinander zu fahren – meistens muss das sogar sein. Wir arbeiten unter anderem so, weil wir zu Hause die Voraussetzungen dafür haben – in den Gastregionen ist das noch nicht der Fall. Hier sucht man noch nach mehr Stabilität und verpflichtet sich mehr einem einzigen Projekt oder Bereich, selbst wenn man neuen Partnerschaften gegenüber eigentlich immer offensteht.

Das StartupBoat dockt bald in Asien an

Ganz am Anfang stand der EU-India Startup Summit in Bangalore auf dem Programm. Dort lernten wir uns erstmal kennen und dann ging es auch direkt zu unserer ersten indischen Startup-Konferenz. Es war spannend zu sehen, wie sehr sich solche Events weltweit mittlerweile ähneln. In Manila stellten einige von uns ihre Projekte auf dem Event Bootstrap Manila vor, das von der GIZ und dem Land Berlin zusammen mit dem Impact Hub Manila organisiert wurde.

Auch ich stellte hier erstmals in Asien das StartupBoat vor. Das Thema Flucht ist kein wichtiges für die Philippinen. Dennoch sind die Inseln ein interessantes neues Ziel für mein Projekt, um dort auf StartupBoats die regionalen „Hidden Innovators“ mit Investoren und globalen Unterstützern zusammenzubringen.

Vor Ort bekam ich dann die Chance, mein Projekt zu skalieren und gewann die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft gemeinsam mit dem Impact Hub Manila als erste Partner. Im Dezember fährt nun das erste StartupBoat in der Küstenregion des Landes, gefördert durch die Bayer Cares Foundation.

Das Impact Hub Manila ist der perfekte regionale Partner für mich und das beste Beispiel für ein Konzept, das sich auf Grund der lokalen Gegebenheiten anpassen und innovativ zeigen musste. Die 7000 Inseln der Philippinen machen es quasi unmöglich für die Startupper in einem Co-Working Space zu sitzen und so fokussiert man sich als Impact Hub ohne physische Location darauf, als vernetzender Unterstützer zwischen Unternehmern auf den Inseln und der Außenwelt zu agieren.

An unserer letzten Station Jakarta besuchten wir dann das Sankalp Forum als Vernetzungstreffen für internationale Partner, die die Region gemeinsam voranbringen möchten. Auch hier erarbeitete ich zusammen mit Ranga Thota von Fuel a Dream einen Plan für Indien, den Rainer Seider von der Senatsverwaltung für Wirtschaft dann im nächsten Schritt als gemeinsames Vorhaben und Ergebnis unserer Reise auf einem Panel zusammen mit Vertretern des Global Innovation Funds präsentierte.

Bis zum nächsten Mal!

Aus unserer gemeinsamen Zeit in Asien sind Projekte entstanden, die uns als Gruppe auch weiterhin miteinander verbinden werden. Wir haben viel miteinander gelacht, niemand ist so richtig krank geworden und Dank einer sehr aktiven gemeinsamen Whatsapp-Gruppe wurden alle über spontane Planänderungen auf dem Laufenden gehalten. Besonders deutlich wurde aber eines: Wer sich darum bemüht, die Kulturen und die Menschen hinter den Märkten kennenzulernen und die Situation in ihm unbekannten Ländern besser zu verstehen, der wird auch erfolgreiche und langfristige Projekte aufbauen. Aller Technologie zum Trotz zählen hinter jedem Unternehmen nämlich immer noch am meisten die Menschen, die es führen. Ich bin dankbar für viele bleibende, inspirierende Eindrücke und freue mich auf das StartupBoat auf den Philippinen.

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1 Kommentar auf "Hub-Hopping durch Asien"

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