Mobile Devices, Big Data, Deep Learning, Artificial Intelligence: die Möglichkeiten der Digitalisierung kommen auch in der Medizin an und könnten hier viel bewirken. „Wir müssen aufhören zu fragen, warum wir diese Dinge brauchen. Die richtige Frage ist: wie können wir diese Technik sinnvoll nutzen?“, stellt Shari Langemak von Medscape Germany beim Science Match Future Health in Berlin klar. Sie spielt damit auf den trägen und innovationsfeindlichen Gesundheitsapparat an, an dem neue Entwicklungen bisher noch oft scheitern.

Der Science Match Future Medicine, den der Tagesspiegel am 7. November zusammen mit dem Berlin Insitute of Health organisierte, hatte eine breite Palette solcher Neuentwicklungen zu bieten. 3D-gedruckte Sensor-Folien, mit denen beispielsweise die Tragezeit von Zahnspangen gemessen werden kann. DNA-Datenbanken, die helfen, die Medikation von Krebspatienten zu personalisieren. Neue Setups, mit denen Intensivstationen leiser und effektiver werden. In fünf Sessions – Personalized Health, Digital Health, Regenerative Medicine, Cell Engineering und Startup Ecosystems – pitchten 88 Forscher und Startups ihre Ideen, wie sie den Gesundheitsmarkt revolutionieren wollen.

Die Regeln beim Science Match sind streng: Drei Minuten haben die Forscher auf der Bühne, um ihre Ergebnisse vorzustellen. Und es zeigt sich: auch eine medizinische Revolution kann man in so kurzer Zeit erklären.

Weltverbesserer

Bei den Vorträgen schwingt Weltverbesserer-Flair mit: Oren Miron von der Harvard Medical School in Boston stellt eine Methode vor, Autismus schon bei Neugeborenen zu diagnostizieren und die Folgen der Krankheit durch frühzeitige Behandlung einzudämmen. Carsten Finke von der Charité präsentiert eine Möglichkeit, kognitive Leiden wie Alzheimer mit einer App zu diagnostizieren und auf Basis dieser Diagnose personalisiert zu behandeln. SkinIQ bietet ein günstiges Device, mit dem Nutzer ihre Haut scannen und auf Melanome untersuchen können.

Ein großes Thema ist die Personalisierung der Medizin mit Hilfe der Analyse von Genen. Die Kosten für einen Gentest sind in den vergangenen Jahren auf weniger als 1000 Dollar gesunken. Immer mehr Menschen lassen ihre DNA entschlüsseln und so entstehen große Datenbanken, mit deren Hilfe Forscher den Einfluss genetischer Merkmale auf die Wirkung von Medikamenten oder Krebstherapien untersuchen können. Durch Big Data und moderne Methoden zur Analyse großer Datenmengen kann die Medizin immer weiter personalisiert – und damit wirksamer – werden.

Ein neues System

Um diese Datenschätze zu heben ist ein System nötig, das auf datengetriebene Medizin ausgerichtet ist. „Wir leben in einem digitalen Feudalismus und Unternehmen wie Google und Facebook sind die Feudalherren“, sagt Ernst Hafen von der ETH Zürich in seiner Keynote. Die Frage, wem unsere Daten gehören, ist zentral für die Transformation des Gesundheitssystems. Hafen plädiert dafür, die Daten zu dezentralisieren und sie den Menschen zu übergeben, die sie betreffen: „Jeder sollte einen rechtlichen Anspruch auf eine Kopie seiner Daten haben.“ Die Zukunft ist bereits hier – wir müssen ihr nur die Tür öffnen.

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2 Kommentare auf "Heilen mit Daten"

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