Internationale Treffen wie der gerade in Marrakesch beendete Weltklimagipfel sind ohne Zweifel wichtig. Immerhin werden hier international verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion festgelegt. Diese Vorgaben müssen sich dann in den Vorgaben, Gesetzen und Programmen der jeweiligen Länder widerspiegeln.

Der Klimawandel aber lässt sich nicht allein durch ehrgeizige Klimaschutzziele bekämpfen. Es kommt auf Unternehmen an, die klimaschonende Technologien und nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln, die sich auch wirtschaftlich lohnen. Wer noch Argumente dafür sucht, ob sich das auszahlt, muss nur auf die aktuellen Entwicklungen schauen: Energieeffizienz rechnet sich immer mehr. Erneuerbare Energien werden immer günstiger und sind bald unschlagbar. Und die steigenden Kosten von Luft- und Umweltverschmutzung, von exzessivem Ressourcenverbrauch und zunehmenden Naturkatastrophen machen grüne Technologien absolut notwendig.

Doch etablierte Unternehmen reagieren mitunter träge, wenn es um die Veränderung ihres Geschäftsmodells geht. Oft scheuen sie auch die Kosten, die eine Entwicklung und Anwendung grüner Innovationen mit sich bringt. Startups hingegen lassen sich nicht von dem einschüchtern, was bisher war und oft zur Gewohnheit geworden ist. Sie schauen mit frischem Blick auf bestehende Probleme. Im Cleantech-Bereich schaffen sie es dadurch, vollkommen neue Lösungen für eine klimafreundlichere Wirtschaft anzubieten.

Das Berliner Startup Coolar beispielsweise entwickelt Kühlschränke, die ganz ohne Strom funktionieren. Gekühlt wird per Wärme, die aus Solarpanelen stammt. Der Kühlschrank könnte bald jeden Haushalt klimafreundlicher machen. Zuerst aber wird er in Gebieten mit unsicherer oder gar keiner Stromversorgung – vor allem in ländlichen Regionen Asiens und Afrikas – zum Einsatz kommen, um dort Medikamente und Nahrungsmittel sicher zu kühlen.

Carbon Delta kombiniert die Potenziale aus dem Fintech und Cleantech-Bereich. Das Startup ermittelt und analysiert die Klimaresilienz börsennotierter Gesellschaften. Dazu hat es ein eigenes Evaluierungssystem entwickelt, das es Investoren ermöglicht, die Klimarisiken ihrer Portfolios zu beurteilen, das heißt einzuschätzen, inwieweit der Wert eines Unternehmens durch den Klimawandel beeinträchtigt werden könnte.

Green City Solutions sitzt mittlerweile auf dem Berliner Euref-Campus. Das Startup hat den City Tree entwickelt – eine Installation, die Moose und eine IoT-Technologie kombiniert. Vertikal an einer freistehenden Wand angebracht, entspricht die Umweltleistung des City Trees der von 275 urbanen Bäumen – allerdings werden hierfür lediglich fünf Prozent der Kosten und 99 Prozent weniger Platz benötigt. Die Wand absorbiert Feinstaub und CO2 und kann die lokale Luftverschmutzung in einem Umkreis von bis zu 50 Metern um 30 Prozent reduzieren. Der freistehende Biofilter verbessert die Aufenthaltsqualität durch Luftbelastungs-, Lärm- und Hitzereduktion.

Die drei Startups, die übrigens alle auch Teilnehmer des Accelerator-Programms von Climate KIC waren, stehen beispielhaft für eine ganze Reihe an jungen Unternehmen im Cleantech-Bereich, die mit ihren Ideen ganz konkret einen Unterschied machen, also wirklich etwas dafür tun, dass unsere Wirtschaft klimafreundlicher wird und wir der Umweltverschmutzung entgegenwirken. Sie haben viel weniger Geld zur Verfügung als die etablierte Industrie. Aber sie glauben an ihre Idee, arbeiten hart daran, und entwickeln sich in Programmen wie dem unseren weiter.

Grüne Gründer sind nicht unbedingt die ideologischen Weltverbesserer. Sie wissen, dass sie nur dann überleben und ihre Ideen nur dann Anwendung finden, wenn es sich auch wirtschaftlich lohnt. Und ja, sie brauchen auch einen gewissen politischen Rahmen, der Cleantech-Innovationen fördert. Diese Vorgaben können von staatlichen Förderprogrammen im Cleantech-Bereich bis hin zu einer CO2-Steuer gehen.

Die Startups halten für kommende COP-Verhandlungen eine klare Botschaft bereit: Den Umbau zur kohlenstofffreien Wirtschaft bis 2050 können wir schaffen – vorausgesetzt, die innovativen Ideen der Startups und Unternehmen finden auch politische Unterstützung und erweitern so das Portfolio an Lösungsmöglichkeiten des Cleantech-Sektors. Cleantech ist eine der größten wirtschaftlichen Chancen des 21. Jahrhunderts.

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2 Kommentare auf "Das Klima retten wir nur mit Startups"

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[…] Junge Unternehmen schauen mit frischem Blick auf bestehende Probleme und schaffen neue Lösungen für eine klimafreundlichere Wirtschaft – ein Gastbeitrag von Malte Schneider, Direktor von Climate-KIC Deutschland Der Beitrag Das Klima retten wir nur mit Startups erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

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[…] geschrieben. Der Direktor von Climate-KIC Deutschland geht noch deutlich weiter in seinem Gastbeitrag für das Startup-Magazin BerlinValley und sagt, das Klima retten wir nur mi Startups. Seine Aussage unterscheidet sich dabei nur wenig […]

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