Wenn Gründer das Unternehmen verlassen, handelt es sich meist um eine „einvernehmliche Entscheidung“ mit den Investoren – auch wenn es sich um einen Rausschmiss handelt. Der Abgang der Gründer ist für Startups nur selten von Vorteil. Mit dem Gründer verlässt oft nicht nur ein Visionär das Unternehmen, sondern es geht auch die Moral unter der Angestellten. Das muss nicht sein, wenn man sich an vier wichtige Regeln hält.

1. Investoren regelmäßig informieren

Bleibt transparent, egal ob sich das Unternehmen gerade in einer schwierigen Phase befindet, ob weitere Finanzierungen, der Exit oder ein Pivot geplant sind. Dieses Verhalten hat oberste Priorität und gibt den Investoren ein realistisches Bild von Gegenwart und Zukunft. Statt Investoren als notwendiges Übel zu sehen, können diese auch als starke Partner auftreten und Entscheidungen mit Rat und Tat unterstützen. Monatliche Briefings verstärken das Verhältnis zwischen den Gründern und Investoren.

2. Augen auf beim Management

Beim Aufbau des Managements ist Vorsicht geboten. Wichtig ist, dass ein Team entsteht, dem ihr komplett vertrauen könnt und das sich untereinander versteht. Vor allem aber sollte es ein Team sein, dass den Gründer mit Fähigkeiten unterstützt, die bisher nicht vorhanden sind. Werden gestandene Persönlichkeiten an Bord geholt, muss sichergestellt sein, dass diese mit einer Rolle, die dem Gründer untergeordnet sind, einverstanden sind. Mit neuen Finanzierungen steigen auch die Möglichkeiten, weitere Ressourcen mit an Bord zu holen. Doch Vorsicht: Eine konservative Haltung zu Neueinstellungen und die Fortführung des kleinen, funktionierenden Teams ist oft besser als ein aufgeblähtes Management. Durch zu viel Personal kann das Unternehmen sogar gefährdet werden, wenn das erwünschte Wachstum nicht eintritt, Gehälter aber weiterhin bezahlt werden müssen. Auch hier gilt wieder Regel Nummer eins: Transparenz zu den VCs. Ist der Ausbau des Teams unumgänglich, können die Investoren mit ihrer Erfahrung dabei helfen, die Struktur zu optimieren.

3. Auf dem Boden der Tatsachen bleiben

Einen Investoren gefunden zu haben, der nicht nur an die Idee glaubt, sondern auch bereits ist, diese mit möglicherweise mehreren Millionen Euro zu unterstützen, ist für Gründer ein Riesenerfolg. Danach fällt es häufig schwer, an profane Dinge wie interne Strukturen zu denken. Warum auch, bisher lief das Unternehmen auch so. Dennoch sollten Gründer die Chance ergreifen, mit den neuen finanziellen Möglichkeiten Aufgaben und auch die Kommunikation mit den Investoren an die Kollegen im Management-Team zu übergeben. Bestimmte Bereiche, die bisher nicht in den Kompetenz-Bereich des Gründers fielen, jedoch langfristig wichtig sind, sollten delegiert werden. Auch hier spielt das bereits beschriebene Vertrauen eine wichtige Rolle. Das klassische Gegenbeispiel zeigt Nick Bilton in seinem Buch „Hatching Twitter“. Der New-York-Times-Autor beschreibt, wie der Twitter-Chef Jack Dorsey aufgrund mangelnder Managementfähigkeiten 2008 vorübergehend gezwungen wurde, von dem Posten als CEO zurückzutreten.

4. Den Zeitpunkt des Abgangs selbst festlegen

Wenn das Unternehmen irgendwann läuft und profitabel arbeitet, sinkt für manche Unternehmer der Antrieb. An diesem Punkt angekommen, ist es keine Blamage die Segel zu streichen und auf eigenen Wunsch das Unternehmen zu verlassen. Auch wenn das Unternehmen nicht läuft oder in eine Richtung gesteuert wird, die mit der eigenen Idee nicht kompatibel ist, ist das Ausscheiden eine Möglichkeit, mit erhobenem Haupt zu gehen. Yahoos CEO Jerry Yang ging beispielsweise, als das Unternehmen die Übernahme durch Microsoft ablehnte. Statt eine mit den eigenen Ideen inkompatible Strategie verfolgen zu müssen, machte Yang den Weg frei für einen neuen, zum Unternehmen passenden Firmenchef, während Yang sich neuen Aufgaben widmen konnte.

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