Amber, wofür braucht man eine Handarbeitsschule im Internet?

Amber Riedl: Makerist soll nicht nur eine Schule, sondern eine Destination für Handarbeit sein und alles bieten, was man für das Selbermachen braucht. Das beginnt bei den Video-Kursen, geht über den Anleitungsmarkt, wo man neue Projekte findet, bis zum Verkauf der Materialien für die Projekte.

Wie viele Nutzer habt Ihr im Moment?

Amber Riedl: Wir haben unterschiedliche Nutzer: Da sind zum einen die Besucher auf unserer Website, dann die Mitglieder unserer Community, die hauptsächlich über unsere Facebook-Seiten kommen, die Abonnenten unserer Newsletter und schließlich die Kunden, die Material, einen Videokurs oder ein E-Book kaufen. Wir haben im Monat ungefähr zwei Millionen Visits auf unserer Seite, etwa 600.000 Facebook-Fans in Deutschland, 315.000 Newsletter-Abonnenten und über 550.000 bei Makerist registrierte Nutzer.

Wie sieht Euer Geschäftsmodell aus?

Amber Riedl: Wir haben drei Revenue Streams: Die Video-Kurse sind Paid Content, den wir selbst produzieren. Das machen wir in enger Absprache mit den Kreativen aus unserem Netzwerk, die am Gewinn der jeweiligen Kurse beteiligt sind. Dann haben wir Aggregated Content, den wir nicht selbst produzieren, sondern hier bieten wir E-Books und Anleitungen von kreativen Designern an. Die dritte Einnahmequelle ist das Material, das wir passend dazu verkaufen. Wir versuchen, die Sachen gut miteinander zu verknüpfen, um Cross-Selling-Effekte zu erzielen.

Julia Köster und Amber Riedl im Gespräch mit Berlin-Valley-Chefredakteurin Corinna Visser (Foto: Jann Venherm)
Julia Köster und Amber Riedl im Gespräch mit Berlin-Valley-Chefredakteurin Corinna Visser (Foto: Jann Venherm)

Der Newsletter kostet nichts?

Amber Riedl: Nein, aber der Newsletter ist für uns ein super Kanal, um neue Käufer zu gewinnen. Und wir können sehr genau sehen, wofür sich die Leser interessieren, um ihnen dann Angebote zu schicken, die noch besser zu ihnen passen. Wir haben neben den drei Revenue Streams – Kurse, Anleitungen und Material – auch innerhalb dieser Bereiche unterschiedliche Verticals – Nähen, Stricken, Häkeln, Schnittkonstruktion, Patchwork und Torten dekorieren. Wir können die Nutzer genau auf ihre Interessen ansprechen.

Ihr habt gerade eine Finanzierung von fünf Millionen Euro erhalten. Das ist nicht gerade wenig. Was habt Ihr damit vor?

Amber Riedl: Vor allem wollen wir neue Marketingkanäle erschließen. Wir starten unseren ersten TV-Spot und testen, ob das für uns ein guter Kanal sein kann. Wir interessieren uns auch stark für die Zielgruppe, die wir über die Gruner-+-Jahr-Medien erreichen können. Da werden wir einiges in Print und Digital buchen; vor allem die Leser von Brigitte sind für uns interessant. Außerdem wollen wir die Videoproduktion ausbauen, auch das ist ein teurer Posten. Wir haben bereits erste Fortschritte in der Internationalisierung gemacht und haben jetzt eine französische und eine englische Website. Diese richtig zu pushen, wird ein weiteres To-do mit dem neuen Geld sein.

„Für Makerist ist es ein logischer Schritt, jetzt seine spitze Zielgruppe zu erweitern und über die Gruner-+-Jahr-Medien mehr Reichweite zu erzielen“

Julia, G+J Digital Ventures hat gerade investiert. Was erwartet Ihr von Makerist?

Julia Köster: Do-it-Yourself ist seit ein paar Jahren ein starker Trend im Markt. Gruner + Jahr ist sehr nah an dem Thema mit Publikationen wie etwa Brigitte, Flow, wo es um Papier- und Bastelarbeiten geht, oder auch Couch, das zuletzt ein großes DIY-Special herausgebracht hat. Für Makerist ist es ein logischer Schritt, jetzt seine spitze Zielgruppe zu erweitern und über die Gruner-+-Jahr-Medien mehr Reichweite zu erzielen. Aus unserer Sicht macht es daher viel Sinn, genau an diesem Punkt einzusteigen. Wir sind in Deutschland auf jeden Fall der richtige Ansprechpartner für Makerist – auch für die Internationalisierung, denn wir können zum Beispiel über Prisma Media einen sehr guten Zugang zum französischen Markt bieten.

Was kann Gruner+Jahr einem Startup wie Makerist noch bieten?

Julia Köster: Neben dem finanziellen Investment schreiben wir immer auch ein Mediaticket, das klassische Werbung beinhaltet – also Anzeigenschaltung online wie offline. Wir glauben fest daran, dass unsere Medialeistung an einem gewissen Punkt eine enorme Hebelwirkung für den Erfolg eines Unternehmens haben kann. Und schließlich stellen wir Kontakte zu relevanten Kollegen aus den operativen Bereichen bei Gruner + Jahr und auch bei Bertelsmann her. Amber hat das bereits erlebt. Sie hat jahrelang versucht, an die Brigitte-Redaktion heranzukommen, und es ist ihr nie so richtig gelungen. Als klar war, dass wir mit G+J Digital Ventures investieren werden, haben wir für Makerist ein Meeting mit den verschiedenen Chefredakteuren und Produktverantwortlichen der relevanten Marken organisiert und ein Intro gemacht – ab da konnte Makerist dann selbst mit den G+J-Kollegen sprechen und sie überzeugen. Das ist ein weiterer Kern-Benefit von G+J Digital Ventures: Wir öffnen Türen zu den richtigen Ansprechpartnern im Konzern und ermöglichen so gegenseitiges Lernen.

Amber Riedl: Das ist die Power of Intro. Wir machen eigentlich eine sehr erfolgreiche Pressearbeit, um die Aufmerksamkeit von Brigitte haben wir wirklich lange gekämpft. Jetzt merken wir auf einmal, dass es leichter wird. Ich bin seit Ende September, also bevor das Investment unterschrieben worden ist, schon mehrmals in Hamburg bei Gruner + Jahr gewesen und habe mich mit entscheidenden Redakteuren und Vertriebsleuten getroffen. Für uns ist es ein wichtiges Ziel, unsere Videoinhalte bei Brigitte.de zu platzieren. Unsere Videokäufer sind unsere besten Käufer mit dem höchsten Umsatz. Aber die Hürde, jemanden zu überzeugen, für ein Video Geld auf den Tisch zu legen, ist hoch. Da kann uns eine Plattform wie Brigitte.de sehr helfen.

„WIR HABEN EIN PATENSYSTEM ETABLIERT“

Wie gestaltet Ihr die Zusammenarbeit?

Julia Köster: Wir haben ein Patensystem etabliert. Es gibt also eine zentrale Person aus dem operativen Geschäft bei Gruner + Jahr, die Ansprechpartner für Amber und ihr Team sein wird, um mögliche Kooperationen, Fragen, Anregungen zu diskutieren. Dabei wird Gruner + Jahr auch vom Austausch mit Makerist profitieren, neue Geschäftsmodelle kennenlernen und Markttrends aus einer anderen Perspektive sehen. Darüber hinaus gibt es einen Ansprechpartner bei der Vermarktungsgesellschaft EMS, der für die Mediaplanung zuständig ist und gemeinsam mit Makerist die Aussteuerung der Media optimiert. Wir erstellen vor Einstieg gemeinsam mit dem Startup einen Mediaplan, den wir mit den Learnings aus den ausgelieferten Kampagnen dann immer weiter optimieren. Wir wollen mit unserer Media einen maximalen Beitrag zum Erfolg unserer Beteiligung liefern.

Was ist Euer Ziel?

Julia Köster: Wir schauen auf Makerist, wie es jeder andere VC auch tun würde: Unser Ziel ist, dass Makerist erfolgreich wächst und irgendwann gewinnbringend für alle Beteiligten verkauft werden kann und wird.

Makerist
Köster: „Wir öffnen Türen zu den richtigen Ansprechpartnern im Konzern.“ (Foto: Jann Venherm)

Was habt Ihr Euch für 2017 vorgenommen?

Julia Köster: Wir wollen uns weiter etablieren und bekannter werden, unser Netzwerk vergrößern. Bis jetzt hat das schon gut geklappt. Als nächstes würden wir gern Pi mal Daumen drei bis vier Investments pro Jahr machen.

Amber, was ist Dein großes Ziel fürs kommende Jahr?

Amber Riedl: Wir wollen Makerist in Richtung Profitabilität führen. Nach der Finanzierung haben wir erst einmal genug Geld und können uns wieder auf die Company fokussieren und nicht mehr auf das Funding. Das hat wahnsinnig viel Zeit in Anspruch genommen.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 19/2016

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