Wie eröffnet man sich als deutsches Startup den Markt in die Mena-Region (Naher Osten und Nordafrika)? Mit dieser Frage haben wir uns bei Meshine, einem jungen Technologieunternehmen aus Berlin, auseinandergesetzt. Meshine entwickelt eine Kommunikationstechnologie für Smartphones, die es ermöglicht, Endgeräte über Bluetooth und Wi-Fi direkt miteinander zu verbinden (Peer-to-Peer), ohne dabei auf Mobilfunkmasten oder Internet-Router zugreifen zu müssen. Alle Geräte zusammen bilden ein fluides, dezentrales Mesh-Netzwerk, das komplett ohne zentrale Instanz auskommt.

In Schwellen- und Entwicklungsländern erschließen sich damit für Smartphone-Nutzer ganz neue Möglichkeiten. Sie können unter anderem unabhängiger und kostengünstiger miteinander kommunizieren. Ebenso kann die Technologie bei Massenveranstaltungen wie Konferenzen dazu beitragen, überlasteten Netzwerken vorzubeugen. Die Mena-Region erschien uns daher als ein attraktiver Markt.

Wo aber sollten wir anfangen? Wir hatten keine professionellen Kontakte oder ein soziales Netzwerk mit Verbindungen in die Region. Über die Empfehlung eines befreundeten Startups und einem darauffolgenden Evaluationsprozess bekam Meshine einen Platz im Telefónica-Accelerator-Programm „Wayra“. Ein weiteres „Wayra“-Startup gab dann den Hinweis zu einem Mentoring-Programm für Startups aus der Mena-Region und Europa. Die Gelegenheit schien günstig, um so erste Kontakte zu knüpfen.

Ein Camp für Gründer

„Startup Mentoring“ ist ein Programm von Enpact, einer Organisation, die Gründerinnen und Gründer aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Europa mit hochkarätigen Mentoren zusammenbringt. Neben Experten-Workshops und Mentoring-Sitzungen steht dabei der interkulturelle Austausch im Vordergrund. Dabei zeigt sich, dass die Gründerinnen und Gründer in vielen Belangen gleiche oder ähnliche Fragestellungen haben. Gerade das Peer-to-Peer-Mentoring zwischen den Gründern ist Kernbestandteil des Programms, fördert das gegenseitige Verständnis und bildet soziale Bande.

Unterschiede zeigen sich eher in den Tätigkeitsfeldern der Startups, die oftmals lokale Probleme lösen: von einer mangelnden Blutspendebank in Marokko bis hin zu Solarpanels für die Stromversorgung von Privathaushalten auf dem afrikanischen Kontinent. Wichtiger Bestandteil des Programms ist der Mentor, der themenspezifisch einer Kleingruppe bestehend aus drei regional unterschiedlichen Startups zugeteilt wird. Dies geschieht entsprechend einer eingebrachten Fragestellung.

Für Meshine war dies der Zugang beziehungsweise die Erschließung der Mena-Region als Markt. In unserem Fall ist der ausgewählte Mentor ein internationaler Geschäftsmann und Finanzexperte mit guten Verbindungen in die Region. Er wohnt derzeit in Dubai und Breslau. 60 Gründerinnen und Gründer aus Ägypten, Deutschland, Jordanien, Kenia, Marokko, Österreich, Tunesien, Schweden und Spanien kamen mit 20 ebenso internationalen Mentoren beim ersten Camp in Tunis, Tunesien, Ende Mai 2016 zusammen. Im Rahmen des Pitch-Trainings konnten sich die Startups vorstellen und besser kennenlernen. Dabei wurde auch das Enpact-Team auf die Idee und die Technologie von Meshine im Detail aufmerksam. So kam es, dass die Meshine-App beim zweiten Camp in Berlin als Pilotanwendung starten konnte.

Paretz ist ein kleines, aber weitläufiges Dorf in Brandenburg. umgebaut zu einem Workshop- und Veranstaltungszentrum liefert es die perfekte Anwendungsumgebung für die Meshine-App

Dieses Camp fand Mitte August in Paretz bei Berlin statt. Besonders beeindruckt hat alle Teilnehmer der Dream Development Workshop. Als Kinder träumen wir noch viel, doch je älter wir werden, desto weniger träumen wir. Harald Katzenschläger und Hermann Gams von der Dream Academia haben uns im Workshop gezeigt, wie wir wieder anfangen zu träumen und vor allem auch unsere Träume zu leben. Das hat uns alle inspiriert.

Paretz ist ein kleines, aber weitläufiges Dorf in Brandenburg, umgebaut zu einem Workshop- und Veranstaltungszentrum liefert es die perfekte Anwendungsumgebung für die Meshine-App. Ohne auf Mobilfunk- oder Wi-Fi-Internetverbindung angewiesen zu sein, konnten die Teilnehmer miteinander in Kontakt treten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, einer der Mentoren stellte den persönlichen Kontakt zu der Geschäftsführung eines Startups aus Ägypten mit Sitz in Dubai her. Dieses Startup ist auf Event-Apps für Technologie- und Business-Konferenzen spezialisiert und bespielt dabei mehr als 7500 Veranstaltungen. Eine Woche später gab es die erste Skype-Konferenz mit der Geschäftsführerin. Schnell haben wir Synergien identifiziert, Meshines Technologie als SDK (Software Development Kit) eingebettet in deren vorhandene Event-App und so vielfältige Vorteile wie Netzunabhängigkeit, Nachbarschaftserkennung, Profile-Matching und vieles mehr geschaffen.

Erster Pilot im November

Für Meshine auf der anderen Seite ergibt sich ein Zugang in dem Markt über einen bereits etablierten Akteur. Einen ersten Piloten haben wir für November 2016 geplant. Ziel ist es dann, im Dezember beim Riseup Summit in Kairo, einem der größten Technologie- und Entrepreneurship-Konferenzen der Region, den ersten großen Lastentest zu bewältigen. Hier schließt sich der Kreis, das dritte und letzte Enpact Camp findet in Ägypten statt und die gesamte Delegation besucht im Anschluss den Riseup Summit.

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1 Kommentar auf "Internationalisierung: Wie Meshine Entwicklungsländer vernetzt"

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