Michael, mit Grover kann man Elektrogeräte wie Handy oder Laptops einfach flexibel mieten statt kaufen. Wie genau funktioniert das Modell?

Das Modell ist sehr transparent. Der Nutzer kann ein Gerät mieten und bezahlt dafür monatlich eine Gebühr. Wenn er das Gerät nicht mehr möchte, kann er es sofort zurückschicken und bezahlt nichts mehr. Irgendwann hat der Nutzer den Verkaufspreis des Gerätes bezahlt. Wenn er drei Monate länger mietet, geht das Gerät in sein Eigentum über. An sich also sehr einfach. Wir haben ein Produkt und einen Preis. Kein Dumping Modell, bei dem man anfangs nichts zahlt und bei dem dann irgendwann verstecke Kosten kommen oder bei dem man sich über zwei Jahre bindet.

Über welche Kanäle läuft Euer Modell?

Bisher hauptsächlich online. Über unsere Website oder auch über Online-Shops. Die können Grover wie Paypal als Bezahloption anbieten und die Kunden können dann mit unserem Service mieten statt kaufen. Wir kaufen das Produkt dann vom Händler. Seit Dezember arbeiten wir auch mit Euronics in Düsseldorf zusammen. Das ist unser erster Offline-Partner. Wer dort beispielsweise ein iPhone und ein Macbook kaufen will, geht in den Laden, kann Grover als Bezahloption wählen und zahlt im Geschäft direkt den ersten Mietpreis, statt mehrere tausend Euro Kaufpreis. Wir kaufen die Geräte, die über diese Option bezahlt werden.

Wie ist das Feedback offline bisher?

Die Mitarbeiter finden das super und es wird auch gut angenommen. Der Prozess ist deutlich schneller. Sonst brauchen die Leute 15 Minuten an der Kasse, um eine Finanzierung der Geräte zu regeln. Mit Grover dauert das nur zwei oder drei Minuten.

Gibt es weitere Partnerschaften?

Im Dezember kam der TV-Hersteller Loewe als Partner dazu. Der Vertrieb läuft über unsere Website, die Geräte stehen aber bei Loewe im Lager. Sie verkaufen also quasi an uns, wenn wir die Nachfrage unserer Kunden befriedigen müssen und wickeln die Logistik für uns ab. Der Service später liegt dann aber wieder bei uns.

Wie kommt man an solche Partner?

Allem voran, indem man ein flexibles Team hat, das mit guten Ideen voran geht, inspiriert und zuverlässig arbeitet. Ansonsten viel Geduld und einen langen Atem. Da wir uns grundsätzliche als inklusiven Dienstleister verstehen, der es dem Handel ermöglicht, eine Mietoption für Produkte anzubieten, kommen zunehmend auch Partner auf uns zu. Wir sind flexibel, aufgeschlossen und wollen in erster Linie eine Win-Win-Win-Situation für Konsumenten, Marken und uns herstellen.

Du hast jetzt mehrfach gesagt, dass ihr die Produkte kauft, wenn Grover als Bezahloption genutzt wird. Wie gut könnt und wollt ihr auf schnell steigende Nachfrage reagieren?

Das hängt auch vom Produkt ab. Ältere Produkte schaffen wir ungern neu an und verleihen lieber welche aus unserem Bestand neu. Natürlich achten wir dabei darauf, dass die Geräte nicht verschlissen sind. Bei neuen Produkten sind wir sehr flexibel und kaufen auch schnell Geräte zu, wenn sie nachgefragt werden. Alte Produkte, die weniger nachgefragt werden, verkaufen wir auch weiter. Wir nehmen allerdings immer ein Risiko in Kauf und müssen die Nachfrage unserer Kunden sehr gut im Blick haben. Es wäre einfacher und sicherer, zwei Jahre lang monatlich 25 Euro zu kassieren. Aber wir wollen eben diese Flexibilität bieten, das ist für unsere Kunden ein großer Vorteil.

Ihr seid im letzten Jahr auch nach New York gegangen. Warum?

Die USA sind für uns ein sehr wichtiger Markt und wir müssen diesen Markt Bottom Up aufbauen. Dadurch, dass wir dort ein kleines Büro haben, können wir jetzt schon viele Learnings mitnehmen, die uns später helfen werden.

Was habt ihr bisher gelernt?

Die Kunden in den USA sind skeptischer und wir müssen dort mehr dafür tun, ihr Vertrauen zu gewinnen. Außerdem müssen wir auch darauf achten, wen wir als Kunden annehmen. Es gibt ein Scoring-Verfahren und wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass jemand seine Raten nicht bezahlt oder das Gerät nicht zurück schickt, dann müssen wir die Bestellung leider ablehnen. Dieses Scoring müssen wir für den US-Markt verbessern.

Lässt sich Euer Modell nicht auch auf andere Produkte übertragen?

Grover ist natürlich für mehr anwendbar als für Elektrogeräte. Wir sehen uns auch in erster Linie als Fintech und nicht als reiner Verleiher von Elektrogeräten. Wir sind so etwas wie eine neue flexible Mietbank. Viel mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.

Wie geht es bei Euch weiter?

Für 2017 ist das Ziel 10X. wir wollen alles verzehnfachen. Und für die Zukunft: Wir werden nicht eher Ruhe geben, bis jeder mietet statt kauft.

Michael Cassau

fordert den Status Quo der Konsumwirtschaft heraus. Im April 2016 gründete er das Unternehmen ByeBuy. Inzwischen in Grover umbenannt und mit einem Standort in New York, bietet das Fintech­Startup unbegrenzten Zugang zu Laptops, Smartphones und weiteren technischen Produkten auf einer einfachen Pay­As­You­Go Basis ohne Mindestvertragslaufzeit.

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1 Kommentar auf "Sharing-Economy als Fintech gedacht"

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