Wenn Unternehmer von ihrer Firma sprechen, ist schnell von „ihrem Baby“ die Rede. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass diese saloppe Formulierung mit den wahren Gefühlen von Eltern zu ihren Kindern vergleichbar ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die emotionale Erfahrung von Unternehmern in Bezug auf ihre Firma untersucht hat („Entrepreneurial and parental love – are they the same?“).

Marja-Liisa Halko, Forscherin für politische und ökonomische Studien an der Universität Helsinki, hat dazu die Gehirnaktivität von Gründern und Vätern betrachtet. Beide Gruppen erhielten Bilder von verschiedenen Unternehmen beziehungsweise Kindern zur Ansicht – darunter auch ihre eigenen. Um mögliche Reaktionen im Gehirn zu erkennen, kam die funktionelle Magnetresonanztomographie zum Einsatz. Sie ist ein bildgebendes Verfahren, das Durchblutungsänderungen von Hirnarealen sichtbar macht, die mit neuronaler Aktivität in Zusammenhang stehen.

Liebe macht blind

Halko und ihr Team beobachteten eine ähnliche Reaktion bei Unternehmern und Vätern. Beide Gruppen zeigten eine stärker unterdrückte Aktivität des cingulären Cortex, des temporo-parietalen Übergangs und des präfrontalen Cortex – alles Hirnareale, die für emotionale Bewertungen und die Entscheidungsfindung zuständig sind – bei Fotos des eigenen Unternehmens beziehungsweise der eigenen Kinder als bei lediglich vertrauten Motiven. Der Schluss: So wichtig die Liebe für die fortdauernde Motivation ist, macht sie Gründer und Väter gleichermaßen blind für Kritik und negative Emotionen, wenn es um das eigene „Baby“ geht. Zudem entdeckten die Forscher vergleichbare neuronale Veränderungen im Belohnungssystem des Gehirns, die mit der Bewertung von Bedrohungen und potenziellen Risiken in Bezug auf das Unternehmen beziehungsweise des Kindes in Zusammenhang stehen.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass sowohl unternehmerisches Engagement als auch elterliche Liebe von Hirnstrukturen unterstützt werden, die mit Belohnung und emotionaler Verarbeitung sowie sozialem Verständnis verbunden sind. Nicht Prestige oder Geld stehen demnach bei Gründern im Vordergrund, sondern die Liebe zum Unternehmen. Es ist daher völlig nachvollziehbar, wenn Gründer ihre Firma auch mal als „Baby“ bezeichnen. Umgekehrt ist das eigene Kind für Eltern sicher ein nicht weniger aufregendes Unternehmen.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 21

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