Klar: Am Anfang haben Gründer andere Sorgen. Sie müssen die Finanzierung sichern, das Geschäft ans Laufen bringen und häufig zugleich Investoren bei Laune halten. Ein Aufsichtsrat steht da vermutlich ziemlich weit unten auf der Prioritätenliste – wenn überhaupt.

Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle dafür einsetzen, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen. Denn spätestens, wenn Startups die nächste Wachstumsstufe zünden wollen, können Aufsichtsräte oder kontrollierende Beiräte eine zentrale Rolle spielen – als unabhängige Experten und Sparringspartner, die die richtigen Fragen stellen und das Unternehmen so voranbringen.

Viele werden jetzt denken: Dafür haben wir doch schon unseren Business Angel oder Mentoren. Diese sind aber oft zu nah dran an jungen Unternehmern, haben bereits zu viel Nähe und Sympathie entwickelt. Das kann den Blick genauso verstellen, wie die Aussicht auf einen gewinnträchtigen Exit. Hinzu kommt: Eine Person nimmt eben auch nur eine Perspektive ein.

Warum Aufsichtsräte Geldgeber überzeugen

Was zum Start wichtig und willkommen ist, reicht ab einer gewissen Größe nicht mehr. Viele Geldgeber tun sich deutlich leichter damit Expansionen zu finanzieren, wenn ein kompetent besetzter und unabhängiger Aufsichts- oder Beirat existiert. Das gilt für Venture-Capital- und Private-Equity-Firmen genauso, wie für Börsengänge. Zwar hat die Deutsche Börse – entgegen unserer Anregung – hohe Corporate-Governance-Standards nicht zur Bedingung für ein Listing am Startup- und Mittelstandssegment „Scale“ gemacht (was aus unserer Sicht der beste Weg gewesen wäre, um Vertrauen zu schaffen und die Aktienkultur zu stärken).

Dennoch tun sich gerade institutionelle Investoren leichter, Aktien zu zeichnen, wenn professionelle Governance-Strukturen vorhanden sind – und dazu gehört letztendlich ein Aufsichtsrat.

Als Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD), einem Netzwerk von rund 130 professionellen Aufsichtsräten, lade ich Gründer herzlich zum Dialog ein: Bei Fragen zum Thema sind wir gerne jederzeit Ansprechpartner. Zudem bieten unsere Veranstaltungen – allen voran der Deutsche Aufsichtsratstag – die Chance, Kontakte in die Szene zu knüpfen und in Dialog miteinander zu treten.

Warum Aufsichtsräte Gründer brauchen

Aber ich will nicht verschweigen, dass mein Angebot nicht ganz uneigennützig ist. Gründer und junge Unternehmer sind die Aufsichtsräte von morgen – und damit eine Bereicherung für unser Netzwerk. Wir können gemeinsam die Aufsichtsratsarbeit von morgen aktiv gestalten. Gründer bringen einen frischen Blick auf die Arbeit von Aufsichtsgremien mit und können wertvolle Impulse für die Diskussion über innovative Strukturen und Prozesse liefern. Denn während wir bei Aufsichtsräten von Vorständen Reformen und bisweilen sogar Disruption erwarten, müssen wir uns natürlich auch selbst fragen, ob unsere Aufstellung und Arbeitsweise zeitgemäß ist.

Die primäre Aufgabe des Aufsichtsrates (gemeint ist das Gremium) ist ja die Überwachung der Geschäftsleitung. Das Denken in Netzwerken und Ecosystemen sowie Cyber, Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz haben schon heute – noch von vielen Aufsichtsräten unbemerkt – die Parameter der Gremienarbeit und der Überwachungstätigkeit grundlegend verändert.

Strategierelevante Informationen stehen 24/7 aggregiert und priorisiert zur Verfügung. Der CEO und der gesamte Vorstand bekommen diese Informationen schon in Echtzeit, der Aufsichtsrat demnächst auch – die Investoren und institutionellen Anleger haben sie bereits.

Hier werden sich in Deutschland und überall auf der Welt die Unternehmens- und Entscheidungsstrukturen sowie die Kommunikations- und Informationsprozesse, das heißt die Corporate Governance, dramatisch verändern.

Diese Diskussion und die Suche nach innovativen Lösungen wollen wir im Verbund mit unseren internationalen Netzwerken mit Entschlossenheit führen – am liebsten mit Impulsen von Gründern und jungen Unternehmern.

Wir freuen uns auf Sie.

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[…] Gründer und Aufsichtsräte können ungemein voneinander profitieren. Höchste Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine Einladung – von Peter H. Dehnen Der Beitrag „Lasst uns reden!“ erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

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