Während meiner Reviews tausender Businesspläne habe ich bemerkt, dass viele Startups versuchen, Angel- oder Seedinvestitionen in der Größenordnung von einer halben Million Euro zu bekommen. Dabei würden diese auch mit 70.000 bis 140.000 Euro auskommen und Investitionen damit viel schneller bekommen, statt über Monate zu kämpfen.

Damit sich Investoren bei Investitionen über 400.000 Euro wohl fühlen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Unternehmen sollten über eine reife Organisation verfügen und frühzeitig Nachweise liefern, dass Konzept, Marktchance, Nutzenversprechen, Preis, Geschäftsmodell, Marketing, Sales, Bereitstellung des Produkt oder Dienstes und weitere Faktoren erfolgsversprechend sind.

Dennoch streben die meisten Startups zu hohe Investitionen an, ohne genau diese Nachweise liefern zu können. Dabei ist es leichter und es geht schneller, Runden im Bereich von 70.000 Euro abzuschließen – eine Investition, die in den meisten Fällen ausreicht, um ein Fundament für die nächste Runde zu bauen.

Wieso aber zielen die meisten Startups auf eine zu große Seedrunde? Vermutlich, weil bei Investoren die halbe Million ein „sweet Spot“ für Seed- und Angelrunden ist. Hinzu kommt, dass es weniger Gelegenheiten gibt, Investoren zu finden, die deutlich darunter investieren. Genau das sollten wir aber aus Gründen, die aus meiner Sicht wichtig für das Wachstum des Early-Stage-Ökosystems sind, ändern. Wenn Startups um die 100.000 Euro anpeilen, gibt es Mittel und Wege, diese Unternehmen zu bedienen.

Fünf gute Gründe, wieso eine kleine Seedrunde gut für Startups und das Ökosystem sind

  1. Startups können Investitionsrunden schneller abschließen.
  2. Kleine Deals vergrößern den Pool der Angel-Investoren drastisch, da viel mehr Individuen mit kleineren Beteiligungen an Investitionsrunden teilnehmen können.
  3. Die Anzahl der Startups, die Investitionen bekommen, wird sich enorm vergrößern und damit auch die Möglichkeiten für spätere Investitionen verbessern.
  4. Wenn ein Venture nicht erfolgreich ist, ist es für Investoren viel einfacher, 100.000 Euro abzuschreiben als eine halbe Million. Wenn ein Geschäftsmodell nicht fruchtet, sind Gründer geneigt, mit Korrekturen das Startup wieder auf Kurs zu bringen und so die Investition zu retten. Eine kleine Investition, die sich schneller abschreiben lässt, befreit Gründer, andere Ideen auszuprobieren, statt weiter an einem Konzept zu schrauben, das nicht wie erwartet funktioniert.
  5. Eine kleinere Seedrunde macht Exits in Form von Übernahmen und Fusionen einfacher. Es ist schwieriger, Käufer zu finden, die bereit sind eine Million für ein nur bedingt funktionierendes Geschäftsmodell auszugeben. Wenn aber die Investitionsmenge gering ist, könnte das eine Übernahme auch unter ungünstigen Umständen ermöglichen, die so das Kapital der Investoren rettet. Das ist nicht nur für Gründer gut, sondern reduziert auch generell die Risiken, in Startups zu investieren.

Außerdem erweitern kleinere Exits den Markt der Übernahmen und Fusionen signifikant, da viel mehr Konzerne und auch aufstrebende Unternehmen kleinere Zukäufe in Betracht ziehen können.

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