Anita, was passiert, wenn Mode und Technik aufeinandertreffen?

Anita Tillmann: Das ist wie eine neue Love Affair. Es gibt unendlich viel Potenzial: Es entstehen neue Lösungen, neue Stoffe, neue Stars. Die klassischen Wege in der Modebranche werden gerade ausgehebelt. Jeder, der sich beweisen und in dem Bereich arbeiten will, kann das tun. Das ist eine riesige Chance.

Verstehen sich beide Seiten – Techies und Designer – denn überhaupt?

Anita Tillmann: Interessanter Weise ja, denn beide sind Nerds. Die Neugier treibt beide Seiten an. Dabei geht es nicht nur um neue Stoffe und Material, sondern auch um neue Wege in E-Commerce und Retail wie auch Marketing und Kommunikation. In allen drei Bereichen passiert unheimlich viel und es passiert schnell.

Wer sind die Stars der smarten Mode?

Anita Tillmann: Da gibt es einige von denen wir noch viel hören werden. Zum Beispiel die niederländische Designerin Anouk Wipprecht. Sie hat Formelemente des Audi A4 in ihre Kollektion aufgenommen und verwendet einzelne Teile wie Scheinwerfer und Sensoren des Autos, mit denen die Kleider auf ihre Umwelt reagieren können. Die Kleider eignen sich sehr gut für Bühne und Shows. Beeindruckend finde ich auch die Arbeiten der belgischen Designerin Jasna Rokegem, die das Potenzial von intelligenter und responsiver Mode auslotet. Die Modelle ihrer Brainwaves-Kollektion messen die Gehirnströme des Trägers und nehmen je nach seiner Stimmungslage andere Farben und Formen an. Zum jetzigen Zeitpunkt sind das nur Prototypen – aber mit viel Potenzial.

„Mit der Fashiontech haben wir in Berlin
ein ganz neues Ökosystem aufgebaut“

Sieht die Industrie darin auch Potenzial?

Anita Tillmann: Ja, die internationalen Couture-Häuser zeigen großes Interesse. Sie wollen wissen: Was sind die Designer, was sind die Innovationen, worauf müssen wir uns einstellen, was müssen wir tun? Mit der Fashiontech haben wir in Berlin ein ganz neues Ökosystem aufgebaut und die großen Modehäuser finden das sehr spannend.

Gibt es konkrete Beispiele der Zusammenarbeit?

Anita Tillmann: Ein Beispiel ist das Berliner Startup Vojd Studios, die zuerst als Schmuckaussteller auf der Premium ausgestellt haben. Sie nutzen 3D-Technik. Vojd Studios kooperiert inzwischen unter anderem mit dem Designer Alexander McQueen und dem Luxuslabel Akris aus der Schweiz.

Zu einem Ökosystem gehört aber mehr als eine Konferenz.

Anita Tillmann: Das stimmt. Dazu gehört zum Beispiel auch das Accelerator-Programm, das wir mit der Telekom aufgesetzt haben – das erste dieser Art in Europa, soweit ich weiß. In dem Rahmen wurde auch der erste Fashion Fusion Award verliehen, bei dem drei sehr interessante Teams gekürt wurden. Ich sitze dauernd in irgendwelchen Jurys, aber ich habe noch nie eine so beeindruckende Entwicklung gesehen, wie die, die die drei Teams in diesen drei Monaten hingelegt haben. Wir werden das Ökosystem weiter verfeinern, das Netzwerk weiter ausbauen und die Welten zusammenbringen.

Wie weit ist der Markt?

Anita Tillmann: Wenn sich Alexander McQueen oder auch Hersteller wie S.Oliver darum bemühen, die Designer kennenzulernen, dann ist das am Markt angekommen. Der Online-Händler Asos hat einen ganzen Bereich für Fashiontech-Designer und arbeitet zum Beispiel mit Lisa Lang von Electrocouture zusammen.

Wie geht es weiter mit der Fashiontech?

Anita Tillmann: Die nächste Konferenz findet im Sommer parallel zur Premium statt. Wir werden uns auf jeden Fall vergrößern, denn wir hatten ja jetzt schon mehr als 4000 internationale Besucher.

ANITA TILLMANN

ist Managing Partner bei Premium Exhibitions und Station-Berlin. Mode ist ihre Leidenschaft. 2002 erkennt und nutzt sie die Chance, die deutsche Einheitsmode um internationale Designer-Marken zu bereichern und durch das neue Messekonzept der Premium die Messelandschaft zu verändern. Sie hat auch das neuartige Konferenzformat der Fashiontech entwickelt.

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