Startups, die in Deutschland innovative Lösungen rund um Fahrzeuge und Mobilität entwickeln, werden künftig nicht mehr neidisch auf das Silicon Valley schauen, sondern Richtung Altmühltal. In München entsteht gerade der erste digitale Hub zum Thema Mobility. Er bringt große Automobilhersteller mit mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Kapitalgebern und vor allem Startups zusammen. Das ist keine Utopie, es ist ein ganz konkretes Projekt.

„Wir schaffen eine Vielzahl
von Silicon Valleys“

München ist einer von fünf Orten, an denen die „Digital Hub Initiative“ startet, die am Donnerstag beim 10. Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken vorgestellt wurde. In Dortmund und Hamburg werden künftig innovative Logistik-Lösungen entwickelt, in Frankfurt geht es um die Finanzbranche und in Berlin werden Fintechs und Internet of Things im Mittelpunkt stehen. Wir schaffen damit nicht ein Silicon Valley wie in den USA, bei dem die IT im Mittelpunkt steht, wir schaffen eine Vielzahl von Silicon Valleys rund um unsere Leitbranchen.

Dass es Orte gibt, an denen sich die Schwergewichte einer Branche zusammenfinden und um die herum sich ein Ökosystem von Zulieferern und Forschungseinrichtungen ansiedelt, ist nichts Neues und wurde schon gar nicht im Silicon Valley erfunden. Das zeigt ein kurzer Blick in die Wirtschaftsgeschichte. Die Ledermacher? Die fand man früher in Offenbach. Die Uhrmacher? In Glashütte. Produzenten von Messern und Scheren? Haben in Solingen ihre Heimat. Die optische Industrie in Wetzlar und Jena, die Banken in Frankfurt, die Logistiker in Nordrhein-Westfalen und Hamburg, die Medizintechnik in Erlangen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Was dort immer gefehlt hat – und oft noch heute fehlt – ist das Digitale.

„Es genügt nicht, einfach überall
noch schnell ein ,digital’ dranzuhängen“

Im globalen Kontext, in Zeiten der digitalen Transformation genügt es nicht, einfach überall dort, wo schon irgendetwas ist, jetzt noch schnell „digital“ dranzuhängen. In Deutschland gibt es mehr als 750 öffentlich geförderte Technologie-Cluster. Aber keines von ihnen hat wirklich internationale Bedeutung und hat Unternehmen hervorgebracht, die Schwergewichte auf den internationalen Märkten sind.

Genau das ist das Ziel der Digital Hub Initiative. Eine nationale Hub-Agency sorgt dafür, dass die maximal zwölf digitalen Hubs entsprechend groß denken und handeln können. Sie sollen nicht nur Leuchttürme für die Branche hierzulande sein, sie sollen die besten Köpfe und die innovativsten Startups aus der ganzen Welt zu uns holen.

„Die digitalen Hubs werden
echte erlebbare Orte sein“

Die digitalen Hubs werden echte erlebbare Orte sein, an denen neue Technologien entwickelt und im Praxisbetrieb realitätsnah und unkompliziert getestet werden können. Die Mitarbeiter aus den Unternehmen können dort Erfahrungen und Lösungsansätze austauschen und auch ganz praktisch die modernsten Produktionstechnologien wie 3D-Drucker nutzen. In den digitalen Hubs werden künftig Mittelständler und Startups ganz eng zusammenarbeiten. Vorstände von etablierten Unternehmen können dort von Startups lernen, ohne nach Kalifornien fliegen zu müssen. Und Startup-Gründer werden Kontakt zu den Großen der Branche bekommen, Kooperationspartner entdecken, womöglich Auftraggeber finden.

Die Botschaft lautet: Es geht ums Gestalten, ums Machen, ums Ausprobieren.

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Bernhard Rohleder
ist seit der Gründung des Bitkom e.V. Ende 1999 Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands. Rohleder ist Mitglied des Beirats des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Divsi) und der Jury des Gründerpreises „Made in.de“. Er vertritt die Branche unter anderem in den einschlägigen Gremien des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und im Cebit-Messeausschuss. In der 17. Legislaturperiode war Rohleder Mitglied der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“.

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