Technologie-Unternehmen, die eine Finanzierung von Venture-Capital-Gebern erhalten, kommen früher in die Gänge und sind in Sachen Innovation durchschlagskräftiger als jene, die einen Angel Investor zum Partner haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der School of Management an der Universität von Buffalo.

VC-finanzierte Startups finden laut der Veröffentlichung im Journal of Business Venturing auch eher einen Käufer oder sind in der Lage, Unternehmensanteile auszugeben. Gerade wenn es um Patente geht, erreichen die von Risikokapitalgebern finanzierten Unternehmen unter Umständen eine größere sachliche und räumliche Reichweite.

„Private Investoren und Wagniskapitalgeber sind beide entscheidend für Innovation in der Wirtschaft“, sagt Supradeep Dutta, Co-Autor der Studie und Assistenzprofessor für Betriebsführung und Strategie an der School of Management. „Aber es reicht nicht, nur ein Patent zu haben. Man braucht ein starkes Netzwerk, um der Innovation auch Nachdruck zu verleihen – und VCs haben dieses Netzwerk.”

Strenge Richtlinien bergen Konfliktpotenzial

Die Forscher untersuchten Investitionen in 350 Technologie-Unternehmen – 137 von Angel-Investoren und 213 von Venture-Kapitalisten. Ein Nachteil der Angels sei deren begrenzte Kontrolle auf die Startups. Diese untergrabe die Möglichkeit, auf die Innovation entscheidenden Einfluss zu nehmen. Das bedeute aber nicht, dass es generell eine schlechte Idee sein muss, sich auf private Investoren einzulassen, sagen die Autoren der Studie. Das individuelle Know-how eines Angel Investors können auch von Vorteil sein.

Der Unterschied ist, dass VCs mit fremden Geld, Angels mit eigenem Vermögen hantieren. Das führt bei VCs zwangsläufig zu härteren Kontrollen. „So können die strengen Richtlinien von Venture-Kapitalisten Startups erfolgreich machen, sie können aber ebenso zu Konflikten mit den Gründern führen“, sagt Dutta. „Angels, die ihr eigenes Geld investieren, neigen dazu, flexibler zu sein und sich weniger auf unmittelbare finanzielle Erträge zu konzentrieren. Das ermöglicht ein längerfristiges Experimentieren.“

Wann ein Angel die bessere Wahl ist

Die Studie deckt sich mit den Erfahrungen, die der Investor Ben Horowitz bereits 2010 in einem Post veröffentlicht hat. Auch er kommt zu dem Ergebnis, dass das VC-Modell für einige Startups nicht passt. Entscheidend ist der Reifegrad eines Produkts. Einen Pivot zu machen oder das Produkt gänzlich aufzugeben sei einfacher, wenn man 300.000 Dollar eingesammelt hat als 3.000.000 Dollar.

Sein Fazit: „Wenn du mit einem kleinen Team ein Produkt entwickelst, von dem du noch hoffst, dass es funktioniert (was also impliziert, dass du unter Umständen etwas anderes probieren wirst), dann brauchst du kein Board oder viel Geld, dann ist eine Angel-Runde wahrscheinlich die beste Option“, schreibt Horowitz. „Hast du auf der anderen Seite einen starken Glauben an dein Produkt oder deine Produktidee entwickelt und du willst keine Zeit im Rennen um Marktanteile verlieren, dann ist eine VC-Runde geeigneter.“

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2 Kommentare auf "VC oder Angel? Diese Studie verschafft Startups Klarheit"

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