Bradley, was machst Du eigentlich alles?

Bradley Tusk: Verschiedene Dinge. Ich bin Venture Capitalist, politischer Stratege, Autor und Philanthrop. Ursprünglich komme ich aus der Politik. 2009 habe ich Michael Bloombergs Bürgermeister-Wahlkampf geleitet und ihm dieses Jahr geholfen, eine Kampagne für die Bewerbung als Präsidentschaftskandidat aufzubauen. Aus der Kandidatur ist nichts geworden – obwohl ich heute sicher bin, dass wir gewonnen hätten. Ich wünschte, wir wären angetreten.

Du bist aber auch Gründer?

Bradley Tusk: Ja, vor sieben Jahren habe ich mein erstes Unternehmen gegründet, die Beratungsfirma Tusk Strategies, die große Kampagnen für große Unternehmen fährt. Ein einfaches Beispiel: Wenn du Expedia bist und die Hotelindustrie versucht, neue Steuern auf Online-Buchungen in zwölf Staaten zu erheben, dann versuchen wir, das zu stoppen. Wir gehen die Sache an wie eine politische Kampagne. Vor fünfeinhalb Jahren bin ich durch einen Anruf in den Tech-Bereich geraten. Ein Kunde hatte regulatorische Probleme mit einem Transport-Startup. Am gleichen Tag bin ich der erste Berater von Uber geworden.

„Wir gehen die Sache an wie eine politische Kampagne.“

Nicht schlecht.

Bradley Tusk: Es kam noch besser, als mir statt Honorar Anteile an der Firma angeboten wurden – zum Glück habe ich Ja gesagt. In den letzten fünf Jahren habe ich also viel mit den USA und auch Deutschland gekämpft – gegen Steuern und für den Start von Uber in weiteren Märkten. Vor etwa einem Jahr habe ich Tusk Ventures gegründet. Wir arbeiten mit Unternehmen vor dem Börsengang in regulierten Branchen und bekommen dafür Anteile. Wir haben momentan 18 Unternehmen in unserem Portfolio. Wir helfen dabei, Gesetze auf den Weg zu bringen, Gesetze zu blockieren – und das Gleiche machen wir mit Regulierungen, Medien, Gewerkschaften, Auftragswesen, Geschäftsfeldentwicklung. Fanduel ist dafür ein gutes Beispiel, ein großes US-Startup.

Fanduel hat im vergangenen Jahr das größte Funding bekommen.

Bradley Tusk: Ja genau. Es ist ein Milliarden-Unternehmen. Aber seine Legalität wurde infrage gestellt. Wir müssen Gesetze in 40 Staaten durchbringen, damit sie weitermachen können. Wir machen Kampagnen, damit Gesetze erlassen werden, und in neun Staaten waren wir damit bereits erfolgreich.

Welche Startups interessieren Euch?

Bradley Tusk: Das ist eine große Bandbreite an Unternehmen. Wir sind nicht auf einen Sektor beschränkt. Meistens Series-A- und -B-Unternehmen, einige später. Aber wir mögen A und B, weil wir auf diesem Level viel Arbeit einbringen können.

Ist Service for Equity ein Trend in New York?

Bradley Tusk: Wir sind die einzigen in dieser Branche. Es gibt ein anderes Unternehmen, das das gleiche im Marketing-Bereich macht. Manche Kanzleien machen etwas in die Richtung. In jeder Branche gibt es vielleicht ein Unternehmen. Du brauchst ein paar Dinge. Du brauchst genug Kapital. Es kostet mich jedes Jahr viel Geld, um für all das zu bezahlen. Du brauchst Risikotoleranz, weil du viel Geld verlierst. Du brauchst auch die richtigen Qualifikationen, damit dir ein Unternehmen Anteile gibt, ohne dafür einen Scheck zu bekommen. Ich habe Glück, weil ich der Bloomberg-Typ und der Uber-Typ bin. Das hilft.

Ich habe Glück, weil ich der Bloomberg-Typ und der Uber-Typ bin. Das hilft.“

Was ist Deine Sicht auf die Stadt?

Bradley Tusk: New York hat viele Dinge, die es attraktiv für Startups machen. Wir haben viel Kapital, die größte Medienkapitalisierung in der Welt, gute Möglichkeiten, deine Nachricht zu verbreiten. Es gibt viele talentierte Menschen, viel Energie. Was wir nicht haben, sind Entwickler vor Ort. Das war einer der Gründe, wieso Bloomberg einen Technologie-Campus in New York errichten wollte. Unser Startup-Ökosystem ist auch weniger erwachsen als im Silicon Valley. Das Valley ist schon seit 40 Jahren dabei, wir seit einer Dekade, höchsten zwei. Die New Yorker Tech-Szene entwickelt und verändert sich noch viel. Es gibt vieles, das für New York als Hub spricht. Die Chance, überbewertet zu werden, ist bei Unternehmen hier – und grundsätzlich außerhalb des Valleys – geringer. Im Valley kauft sich jeder in die gleiche Hype-Blase ein.

„Was wir nicht haben, sind Entwickler vor Ort.“

Wie nahe stehen sich New York und Europa?

Bradley Tusk: Sie stehen sich nahe. New York könnte genauso Teil Europas sein, wie es Teil der USA ist. Kalifornien und London sind aus New Yorker Sicht gleich weit weg. Beide sechs Stunden. New Yorks Rolle als Brücke ist wichtig. Ich denke auch, dass New York etwas mehr an die regulatorischen Prozesse gewöhnt ist, die du auch in der EU siehst. Die EU ist stark reguliert, New York ist stark reguliert. Der Rest der USA aber weniger. Man könnte sagen, dass New York auf beiden Seiten die Perspektive etwas zurechtrückt.

Bradley Tusk

BRADLEY TUSK

ist Gründer und CEO der Tusk Holdings, deren Tochterfirmen Kampagnen für Kunden wie Google und die Stanford Universität führen. Mit Tusk Ventures investiert die Holding auch in Startups.

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "Bradley Tusk: „New Yorks Rolle als Brücke ist wichtig“"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
trackback

[…] Vom PR-Berater zum Multimillionär: Investor Bradley Tusk spricht über seine erfolgreiche Lobbyarbeit für Startups und die Bedeutung New York für Europa Der Beitrag Bradley Tusk: New Yorks Rolle als Brücke ist wichtig erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

trackback

[…] Google von ein paar Hundert auf 6000 Angestellte skaliert und er kennt alle Tech-Menschen in New York. Wir machen es möglich, dass solche Experten den Gründern bei der Bewältigung ihren größten […]

wpDiscuz